• vom 29.04.2011, 10:12 Uhr

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Update: 29.04.2011, 12:15 Uhr

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Quäntchentheorie für Laien




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Von Irene Prugger

Vor kurzem gelang den Physikern der Uni Innsbruck wieder einmal ein Quantensprung: Sie schafften es, 14 Quantenbits miteinander zu verschränken und so das bisher größte Quantenregister zu bauen. Der bisherige Spitzenwert war ein Quanten-Byte aus acht miteinander verschränkten Teilchen. Bloß acht und vierzehn?, ist jemand wie ich, der nicht die geringste Ahnung von Quantenphysik hat, versucht zu fragen. Dabei bin ich selbst einmal an einem "Tag der offenen Tür" vor einer Experimentieranordnung für einen Quantencomputer gestanden und habe beeindruckt auf den Vorläufer einer neuen Computergeneration gestarrt.

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Jedenfalls gilt die Quantenmechanik als Zukunftsgebiet, da im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnologie hochinteressante neue Perspektiven entstehen. Der Weg für die Physiker ist allerdings noch weit, wohingegen Vertreter aus anderen Wissens- und Lebensbereichen oft recht ungeniert auf grundlegende Erkenntnisse der Quantentheorie zurückgreifen. Da heißt es etwa in der Presseaussendung zu einer Publikation für neue Unternehmenskonzepte: "Der Spirit im Business ist das belebende Prinzip eines Unternehmens. Er unterscheidet hervorragende Unternehmen von mittelmäßigen. Die Quantenphysik hilft, diese Dimension der Wirklichkeit besser zu verstehen." Der Titel des Buches lautet denn auch: "Quantensprung im Business."

Ein weiterer wunderbarer Einsatzbereich für die Thesen der Quantentheorie sind Religion und Esoterik. Dabei gibt es durchaus seriöse Ansätze von Wissenschaftern, die zu dem revolutionären Schluss gekommen sind, dass es eine physikalisch beschreibbare Seele gibt. Auch Hans-Peter Dürr, Alternativnobelpreisträger und einer der renommiertesten Quantenphysiker der Gegenwart, vertritt die Auffassung, dass der Dualismus kleinster Teilchen nicht auf die subatomare Welt beschränkt, sondern vielmehr allgegenwärtig ist. Und der Heidelberger Biophysiker Markolf H. Niemz ist der Meinung, dass sich nach dem Tod eines Menschen dessen Seele mit Lichtgeschwindigkeit verabschiedet.

Das ist faszinierend, wird allerdings problematisch, wenn weniger kompetente Zeitgenossen solche Interpretationsversuche vornehmen. Als ich kürzlich als Skeptikerin in eine Diskussion über Esoterik verwickelt wurde, warfen mir die hellsichtigen Vertreter der Gegenseite als Erklärung für paranormale Phänomene einfach das Wort "Quantenphysik" an den Kopf. Sie beweise, dass solche Phänomene wie Geistwesen tatsächlich existieren. Wie das genau funktioniere, konnte mir leider niemand erklären.

Allerdings ist es praktisch, bei diversen Erklärungsnotständen quäntchenweise auf die Quantentheorie zurückgreifen zu können. Wenn ich in Gedanken an zwei Orten gleichzeitig bin oder auf Widersprüchlichkeiten in meinem Charakter angesprochen werde, knalle ich einfach eine wissenschaftliche Abhandlung zur Quantentheorie auf den Tisch und sage: "Leute, lest erst einmal das hier, dann reden wir weiter!"

Irene Prugger, geboren 1959, lebt als Schriftstellerin und Journalistin in Mils in Tirol.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2011-04-29 10:12:00
Letzte Änderung am 2011-04-29 12:15:00


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