• vom 11.01.2011, 17:47 Uhr

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Update: 11.01.2011, 17:49 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Sie rinnt ja doch, die Nase!




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Von Robert Sedlaczek

  • Die Universität Augsburg erhebt die Sprachunterschiede innerhalb des deutschen Sprachraums. Es lohnt sich, mitzumachen.

Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung". Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Vor einiger Zeit, es muss im Herbst 2009 gewesen sein, habe ich an dieser Stelle auf den seltsamen Umstand hingewiesen, dass wir in der Umgangssprache die Formulierung "die Nase rinnt" verwenden, während wir in "Krone", "Kurier" und ORF lesen bzw. hören, dass "die Nase läuft". Ich habe damals die Vermutung geäußert, dass es sich hiebei um einen Sprachunterschied zwischen Deutschland und Österreich handelt.

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"Wenn die Nase läuft. Halten Schnupfenmittel, was sie versprechen?" Solche und ähnliche Sätze findet man in den österreichischen Medien. Mein Verdacht war: Da schreiben österreichische Journalisten unreflektiert die Presseaussendungen von Pharmafirmen ab, die irgendwo in Deutschland ihre Zentrale haben. Und sie übersehen, dass wir so nicht reden.

Ich habe dann die Kolumne mit einem Witz beendet: Einer sagt: "Seit gestern läuft mir die Nase!" Da meint ein anderer: "Ja wenn das so ist, dann muss sie ja bald in St. Pölten sein!"

Vielleicht war dieser Witz daran schuld, dass der damalige Beitrag eine ganze Flut von Postings ausgelöst hat. Oder war es die Betroffenheit der Schreiber? Meine Nase ist zu diesem Zeitpunkt ja auch geronnen, und ich lehne Schnupfensprays kategorisch ab. Vielleicht ist es anderen genauso ergangen. Jetzt habe ich mehrere gute Gründe, eine Fortsetzung zu verfassen.

Es ist ja wieder Schnupfenzeit, ich kann also mit rinnenden und laufenden Nasen meiner Leserinnen und Leser rechnen. Außerdem habe ich seinerzeit einen Experten gebeten, sich dieses Themas anzunehmen: den Universitätsprofessor Stephan Elspaß von der Universität Augsburg. Er testet mehrere Male im Jahr im Rahmen einer Internetumfrage im gesamten deutschen Sprachraum solche Sprachunterschiede ab. Die Frage hat gelautet: "Wie sagt man bei Ihnen, wenn jemand erkältet ist: Die Augen tränen, die Nase.. ." Die Gewährsleute konnten zwischen "läuft", "rinnt" und "anders" entscheiden. Auf Basis dieser Erhebung wurde eine Sprachlandkarte gezeichnet. Sie ist seit gestern online ( www.philhist.uni-augsburg.de/ada/runde_7 ).

Für jene, die jetzt nicht nachschlagen können: Die Karte bestätigt meine Vermutung, dass die Ausdrucksweise "die Nase rinnt" in Österreich gebräuchlich ist, während in Deutschland "die Nase läuft" dominiert. "Rinnende Nasen" gibt es allerdings auch in Ober- und Niederbayern, in der Oberpfalz - sowie in einem Zipfel der Schweiz, nämlich dem Wallis. Außerdem handelt es sich auch um die übliche Formulierung in Südtirol. In Vorarlberg sind beide Varianten gebräuchlich. Wie so oft stimmen die Landesgrenzen mit den Sprachgrenzen nicht überein.

Ich möchte den Augsburger Wissenschaftern dafür danken, dass sie das Thema aufgegriffen haben. Es handelt sich um eine kostengünstige und effiziente Methode, die Vielfalt der Kommunikation innerhalb des deutschen Sprachraums sichtbar zu machen. Und da ich die zugkräftigste Schlusspointe bereits das letzte Mal verbraucht habe, möchte ich dieses Mal mit einem Appell an meine Leserinnen und Leser schließen: Beteiligen auch Sie sich an den Umfragen der Universität Augsburg!

Je mehr Gewährsleute aus Österreich mitmachen, desto genauer wird das Datenmaterial. In der achten Umfragerunde geht es unter anderem darum, wie wir uns zu Silvester beglückwünschen - es gibt acht Wendungen - und wie eine Mischung aus Sand, Zement und Wasser zur Verbindung von Mauersteinen heißt (es gibt vier Wörter). Der Fragebogen ist rasch ausgefüllt - und es ist schön, sich im Ergebnis wiederzufinden.

Umfrage im Internet



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2011-01-11 17:47:17
Letzte Änderung am 2011-01-11 17:49:00


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