• Artikel vom 04.10.2011, 17:20 Uhr

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Sedlaczek am Mittwoch

Nichts als Ärger mit dem ß!


Von Robert Sedlaczek
  • Aber was kann der Buchstabe dafür? Schuld sind die Menschen. Und dass Schüler verwirrt sind, ist verständlich.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel "Das österreichische Deutsch".

Seit der Rechtschreibreform gilt eine einfache Regel: Wir schreiben Fuß, aber Fass. Bei Fuß wird der Vokal lang ausgesprochen, daher ß. Bei Fass kurz, daher ss. Ich könnte nun mehrere Seiten über die Geschichte des scharfen S schreiben, aber das führt zu nichts. Ein Faktum ist, dass viele mit der s-Schreibung ihre liebe Not haben. Dabei wollten es die Reformer ja nicht nur den Schülern, sondern uns allen leichter machen.

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Der Leipziger Lernpsychologe Harald Marx hat die Rechtschreibleistungen von Grundschulkindern vor und nach der Reform verglichen - Grundschule, das entspricht unserer Volksschule. Harald Marx konstatiert, dass die Fehler im Bereich s-Laut-Schreibung seit der Reform deutlich zugenommen haben. Dies könne aber auch daran liegen, dass die Schüler außerhalb der Schule oft in Kontakt mit der inzwischen überholten Rechtschreibung kommen.

Es ist in der Tat ein Ärgernis. Zwar wird man von den Verantwortlichen der Gemeinde Wien nicht verlangen, dass sie von heute auf morgen um viel Geld all jene Straßenschilder erneuern, auf denen ein altes ß steht und wo ein neues ss hingehört. So lese ich zwangsläufig Tag für Tag auf dem Nachhauseweg "Schönbrunner Schloßstraße", obwohl doch schon längst aus dem Schloß ein Schloss geworden ist. Nur die Straße ist weiterhin eine Straße.

Von dieser Straße ist es nicht weit zum Schloss Schönbrunn. Hier verhalten sich die republikanischen Nachlassverwalter der Habsburgerpracht wie trotzige kleine Kinder. Sie beharren auf der nicht mehr gültigen Schreibung "Schloß Schönbrunn" - nicht nur auf Tafeln, bei jeder Namensnennung: auf Foldern, im Internet, überall. Sozusagen als Markenzeichen für ihr Schloss.

Mir tut inzwischen die Schreibung Schloß in den Augen weh. Das ß legt ja nahe, dass es sich um ein langes, ein gedehntes o handelt. Wer spricht das Wort so aus? Nur in einigen Mundarten geht das . ..

Auf der Website von Schloss Schönbrunn kann man unter der Überschrift "Historisches zum Schloß Schönbrunn" lesen: "Die imperiale Schlossanlage Schönbrunn mit ihren Nebengebäuden und dem weitläufigen Park zählt aufgrund ihrer langen und recht bewegten Geschichte zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern Österreichs." Und in einer Presseaussendung von "Schloß Schönbrunn" erfahren wir, was im "Schönbrunner Schlosstheater" gespielt wird.

Das muss man zweimal lesen: "Schloß Schönbrunn hat eine imperiale Schlossanlage." Und: "In Schloß Schönbrunn gibt es das Schönbrunner Schlosstheater." Einmal so, einmal so - wie ein schlechter Schüler, der in Deutsch einen Fünfer schreibt.

Andere Schlösser innerhalb des deutschen Sprachraums haben ihre Schreibung längst von Schloß auf Schloss umgestellt - wie eine Internetrecherche zeigt. Nur die Herren von Schönbrunn beharren ganz bewusst auf der alten Schreibung. Ob deswegen nur ein einziger zusätzlicher Besucher sein Eintrittsgeld ablegt?

Meine inständige Bitte: Hört auf mit diesem Unfug!




Schlagwörter

Sprache, Sedlaczek, Sprachkritik

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Dokument erstellt am 2011-10-04 17:26:06


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