• Artikel vom 06.12.2011, 16:05 Uhr

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Update: 06.12.2011, 16:30 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Marie, Marie, i kriag ned gnua von dia!


Von Robert Sedlaczek
  • Es gibt viele Wörter, mit denen auf volkstümliche Weise das liebe Geld umschrieben wird. Hier geht es um drei davon.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel "Das österreichische Deutsch".

"Warum sagt man eigentlich zum Geld auch Zaster oder Marie?" Das will Leser Franz K. wissen. Offensichtlich beschäftigt ihn noch eine Aussage von Bundesministerin Johanna Mikl-Leitner beim ÖAAB-Treffen in Linz. Dort hatte sie in einer Brandrede "gegen die Spekulanten und Abzocker" in den Saal gerufen: "Her mit den Millionen, her mit der Marie, her mit dem Zaster!" Angeblich haben ihr das führende Politiker in der eigenen Partei, also in der ÖVP, übel genommen. Die Tageszeitung "Die Presse" eilte der Politikerin zu Hilfe: Das sei nicht Gossenjargon, nicht die Sprache der Unterschicht, sondern die Diktion von Donald oder Dagobert aus Entenhausen.

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Ob die Ministerin das Wort Zaster aus der Comicsprache übernommen hat, kann ich nicht beurteilen. Hier zunächst die Etymologie. Der Ausdruck ist im 20. Jahrhundert in Berlin aufgekommen, er galt ursprünglich als gaunersprachlich. Das Herkunftswort stammt aus der Sprache der Sinti und Roma: sáster (= Eisen). Schwieriger ist die Erklärung von Marie. Die legendäre Mundartforscherin Maria Hornung hat einen Zusammenhang mit dem Maria-Theresien-Taler vermutet, war sich aber nicht sicher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt muss die Herkunft als ungeklärt gelten.

Ich möchte hier Frau Mikl-Leitner verteidigen. Sie hat sich in Linz einer volkstümlichen Redeweise bedient, das sollte man ihr nicht vorhalten. Es spielt auch immer eine Rolle, wo der Satz gefallen ist und an wen er gerichtet war. Auf der Veranstaltung des ÖAAB, der ja Teil einer "Volks"-Partei ist, und noch dazu bei einer emotional aufgeladenen Stimmung klingt er normal. Ausgestrahlt in der "ZiB" und zitiert in einer Tageszeitung bekommt der Satz einen völlig anderen Klang. Er wird nicht nur aus dem Zusammenhang gerissen, sondern auch seines Ambientes beraubt.

Es kommt eben nicht nur darauf an, was man sagt, sondern auch wo und zu wem man es sagt.

Die eigentliche Adressatin war wohl Mikl-Leitners Ministerkollegin Maria Fekter - da sind wir schon wieder bei einer Maria. Diese hat sich ja heftig gegen die Titulierung als Schotter-Mizzi gewehrt: "In meinem Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis nennt mich niemand Mizzi!"

Dem ist Rechnung zu tragen.

Aber seit die Politikerin vom Innenressort ins Finanzressort gewechselt ist, amüsiert mich der erste Wortbestandteil. Schotter ist ja nicht nur das Material, das in einem Steinbruch gewonnen wird, sondern genauso wie Zaster und Marie ein Synonym für Geld, oft auch Kleingeld. Ist es nicht ein netter Zufall, dass sie nun als Finanzministerin für unser aller Schotter zuständig ist? Ich finde, man könnte sie Schotter-Marie nennen.

Der Schriftsteller Stefan Slupetzky hat für seine Musikgruppe "Trio Lepschi" ein Liebeslied geschrieben. Es ist "an die Marie" gerichtet. Zunächst sieht es so aus, wie wenn eine Frau gemeint wäre, aber angebetet wird das Geld: "Marie, Marie, Marie, bitte Schatzerl, valoss mi nua nie / Marie, Marie, Marie, I kriag aafoch ned gnua von dia, Marie."

Ja, und so kriegt auch die Schotter-Marie nie genug von unserer Marie.




Schlagwörter

Sprache, Sedlaczek

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-12-06 16:11:04
Letzte Änderung am 2011-12-06 16:30:02


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