• Artikel vom 13.12.2011, 17:04 Uhr

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Update: 13.12.2011, 17:23 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Die Töchtersöhne und der Inseratenkanzler


Von Robert Sedlaczek
  • Anfang Dezember wählt eine Jury der Grazer Universität die Wörter des Jahres. Wie weit klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander?

Robert Sedlaczek war von 1989 bis 2003 Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags und damit auch für die Tochtergesellschaften Brandstätter, Deuticke und Residenz verantwortlich.

Robert Sedlaczek war von 1989 bis 2003 Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags und damit auch für die Tochtergesellschaften Brandstätter, Deuticke und Residenz verantwortlich. Robert Sedlaczek war von 1989 bis 2003 Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags und damit auch für die Tochtergesellschaften Brandstätter, Deuticke und Residenz verantwortlich.

Das Wort des Jahres 2011 ist "Eurorettungsschirm", auf Platz zwei landete der "arabische Frühling", gefolgt von "Inseratenkanzler".

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Als Universitätsprofessor Rudolf Muhr 1999 die Initiative startete, nahm er sich vor, Wörter auf das Podest zu stellen, die für die österreichische Sprachlandschaft typisch sind. Denn zuvor konnten die österreichischen Zeitungen nur das nachdrucken, was bei ähnlichen Initiativen in Deutschland ausgewählt worden war. Das waren häufig Wörter, die von Österreichern nicht einmal ansatzweise verstanden wurden: "Luderliga", "Riester-Rente" oder "verhunzigern" - alles Anspielungen auf Personen oder Ereignisse in Deutschland.

Es war also ursprünglich das erklärte Ziel, Wörter auszustellen, die in Österreich entstanden und nur hier in Gebrauch sind. Mit "Eurorettungsschirm" und "arabischer Frühling" hat man diesen Weg verlassen.

Es handelt sich um Ausdrücke, die im gesamten deutschen Sprachraum verwendet werden, sie sind nicht typisch für die österreichische Sprachlandschaft. Dem Anspruch gerecht wird "Inseratenkanzler". Das Wort spielt darauf an, dass der derzeitige Bundeskanzler angeblich auf Kosten von staatlichen oder staatsnahen Gesellschaften Inserate in bestimmten Zeitungen schalten ließ, um sich eine wohlwollende Berichterstattung zu verschaffen.

Dieser österreichische Ausdruck kam nur auf Platz drei. Im Jahr 2005 hat "Schweigekanzler" noch Platz eins geschafft.

Unter den Unwörtern des Jahres sind "Töchtersöhne" und "letal vergrämen". "Töchtersöhne" spielt darauf an, dass in der Bundeshymne die Zeile "Heimat bist du großer Söhne" zunächst auf "Heimat großer Töchter, Söhne" geändert werden sollte. Da wäre dann beim Singen das Wortungetüm "Töchtersöhne" entstanden. Der Gesetzgeber hat jedoch den Grazer Juroren und all den Postern, die sich an der Wahl beteiligt haben, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Satz heißt in Zukunft "Heimat großer Töchter und Söhne".

Das Wort "letal vergrämen" kennt kaum jemand - es steht im steiermärkischen Naturschutzgesetz und bezeichnet die erlaubte Tötung von Vögeln, etwa von Krähen, wenn diese überhandnehmen. Hier wird der Anspruch missachtet, dass das Wort wichtig und häufig sein soll.

Sehr einverstanden bin ich mit dem Spruch des Jahres. Er stammt aus den Abhörprotokollen der Telefongespräche Walter Meischbergers: "Okay, und mit wem hob ich do kontaktiert? (...) Wos hob i daun zsammenbrocht? (...) Wo woa mei Leistung?"

In der Presseaussendung der Uni Graz wird Meischberger allerdings falsch zitiert: "Wos woa mei Leistung?" Das ist nicht ein und dasselbe. "Wo woa mei Leistung?" ist origineller, es erinnert an Sätze wie "Wo is mei Kugelschreiber?"

Was ist also von der Auswahl 2011 zu halten?

Für mich ist die Ausbeute eher mager. Aber vielleicht war in sprachschöpferischer Hinsicht im Jahr 2011 nicht viel los. Warten wir ab, was das Jahr 2012 bringt. Und auch dieses Mal gilt: Immerhin wird über die Sprache diskutiert.




Schlagwörter

Sprache, Sedlaczek, Sprachkritik

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-12-13 17:11:24
Letzte Änderung am 2011-12-13 17:23:18


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