• vom 19.12.2011, 16:37 Uhr

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Update: 19.12.2011, 16:44 Uhr
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Sprachschätze

Eine schöne Bescherung


Von Hilde Weiss

  • Wirklich verstehen kann man seinen Wortschatz nur, wenn man die Vorstellungen, Erfahrungen und Überzeugungen kennt, die in ihm stecken.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Ein paar Beispiele, wie lebendig die Sprache ist, sogar dort, wo es ganz schlicht und einfach zugeht. So trifft man im Parfum auf das lateinische Verb fumare für Rauchen, Dampfen, Qualmen, und im Monitor, "dem Aufseher", auf das lateinische Verb monere für Erinnern, Mahnen. Im Plüsch steckt das lateinische Verb pilare für Enthaaren. Und der Rabatt, "der Abschlag", kommt zusammen mit dem Bataillon und der Debatte vom lateinischen Verb battuere für schlagen.

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Amüsieren, das kommt vom mittellateinischen Wort musus für Maul, Schnauze, und bedeutete früher, sich ein Vergnügen daraus zu machen, untätig herumzustehen und zu gaffen, "mit offenem Maul". Ungefähr heißt "ohne Gefahr" (ohne böse Absicht). Das erklärt sich daraus, dass Gefahr früher Hinterlist bedeutete, Hinterhalt, Betrug und dass man bei Zahlen und Maßen gern den Vermerk "ohne Gefahr" hinzufügte, um auszudrücken, dass hinter möglichen Ungenauigkeiten keine Betrugsabsicht steht.

Auf eigene Gefahr - das muss jeder mit sich selbst abmachen.

Wenn uns das spanisch vorkommt, dann kommt es den Spaniern griechisch vor. Das kommt daher, dass Karl V. als Römischer Kaiser weite Teile des deutschen Sprachraums mit seinen spanischen Sitten und Moden konfrontierte (und offenbar überforderte). Undiplomatisch? Das kommt vom griechischen Wort díploma für "Gedoppeltes" (Gefaltetes), das ursprünglich bei allen (zum Versiegeln) zusammengefalteten Schriftstücken Anwendung fand.

Gar nicht obskur (vom lateinischen Adjektiv obscurus für "bedeckt", dunkel): In jeder Kamera wirkt sprachlich bis heute die Camera obscura, "die dunkle Kammer" (lichtdichte Kammer) und somit das lateinische Wort camera für Gewölbe, das verwandt ist mit dem Kameraden, "mit dem man die Kammer teilt", mit dem Kammerdiener und dem Kämmerer, mit dem Kammersänger und der Kammermusik. Das erklärt sich wie beim Kabinett daraus, dass aus der Kammer, dem kleinen Nebenzimmer, bei Adel und Hof private Räume, Beratungs- und Arbeitszimmer wurden. Beim Kabinett ist der Name im Lauf der Zeit auf die dort beratenden Mitarbeiter übergegangen und später auch auf Privatsammlungen (Wachsfigurenkabinett).

Der Rivale, vom lateinischen Wort rivus für Bach, Kanal, ist der, mit dem man Wasser und Wasserkraft teilt, "der Bachnachbar". Und die Bar ist, eng verwandt mit dem Barren, mit der Barriere und der Barrikade, "die Abgetrennte". Das Wort kommt über den englischen Begriff bar für Stange, Schranke aus dem Altfranzösischen und erzählt von der Trennung des Schankraums vom Gastraum und der Sicherung des Schanktischs.

So eine Bescherung. Das kommt, eng verwandt mit der Schere und den Scherben, vom Scheren, vom Abschneiden, und dieses vom mittelhochdeutschen Verb schern für teilen und zuteilen. Bescheren, ursprünglich auf Gott und das Schicksal bezogen, hieß früher zuteilen, verhängen. Da das Christkind Kindern Geschenke bringt (zuteilt), dachte man bei dem Wort bald hauptsächlich an Weihnachten.




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Sprache, Sprachkritik

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-12-19 15:56:04
Letzte Änderung am 2011-12-19 16:44:13


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