• Artikel vom 20.12.2011, 17:33 Uhr

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Sedlaczek am Mittwoch

Christkind versus Weihnachtsmann


Von Robert Sedlaczek
  • Auch der neue, entschärfte Werbespot von Telering regt mich auf. Die Werbeleute sind offensichtlich nicht lernfähig.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Das Christkind ist eine vor allem in Österreich, in der Schweiz und in den katholischen Regionen Deutschlands verbreitete Symbolfigur. Auch mir wurde von meinen Eltern erzählt, dass zu Weihnachten das Christkind kommt und ohne gesehen zu werden die Geschenke bringt. Erst wenn eine Glocke geläutet hat, durfte ich ins Zimmer. Dann haben am Weihnachtsbaum die Kerzen gebrannt und unter dem Baum lagen die verpackten Geschenke. Außerdem gilt das Christkind als Darstellung des neugeborenen Jesu. Es wird häufig als blond gelocktes Kind mit Flügeln und Heiligenschein dargestellt.

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Ich bin eher das Gegenteil eines christlichen Fundamentalisten, aber der Werbespot von Telering ist auch mir auf die Nerven gegangen. Um zu zeigen, dass zwei Weihnachtstarife um die Kunden kämpfen, gab es zwei verschiedene Spots. In dem einen schlägt der Weihnachtsmann seinen Geschenksack mit voller Wucht gegen das Christkind. Im zweiten Spot prackt das Christkind wie ein Thaiboxer dem Weihnachtsmann mit dem Fuß eine ins Gesicht. In beiden Spots steigt dann der Inder aus dem Kamin, um Schiedsrichter zu spielen.

Darüber wurde ja schon viel geschrieben. Jetzt werden wir mit einem Spot beglückt, in dem die Idee weitergesponnen wird. Das Christkind und der Weihnachtsmann reichen sich versöhnlich die Hand.

Ich bin sicher, ein Großteil der Konsumenten wird dieses üble Spiel durchschauen. Da hat man sehenden Auges die Gefühle der Menschen verletzt, wohl wissend, dass es zu massiven Protesten kommen wird. Plan B lag vermutlich schon in der Schublade.

Wieso ich das annehme? Man muss nur die Meldungen bei Erscheinen des Catcherspots in der Fachpresse lesen. So meinte der Kreativdirektor: "Eine Kampagne, die für viel Diskussion sorgen wird, was man übrigens schon beim Dreh erleben konnte." Und der Geschäftsführer ergänzte: "Die beiden Charaktere liefern sich einen beinharten, aber witzig inszenierten Kampf, wer wohl das bessere Geschenk hätte." Trotz des Humors sei die Kampagne auch als kritischer Seitenhieb auf die Kommerzialisierung der besinnlichsten Jahreszeit zu verstehen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Jene, die die besinnlichste Zeit des Jahres kommerzialisieren, behaupten, dass das eine Kritik an der Kommerzialisierung sei.

Nein, die Verantwortlichen bei Telering haben nichts begriffen. Abstoßend ist nicht so sehr die Auseinandersetzung zwischen Christkind und Weihnachtsmann. Abstoßend ist die Darstellung des Christkinds: Als Darstellerin wurde ein Mädchen gewählt, dem durch Aussehen und Sprache zuzutrauen ist, dass es sich als Thaiboxerin durchs Leben schlagen wird. Das ist der eigentliche Skandal. Und wenn sich genau dieses Mädchen mit dem Weihnachtsmann aussöhnt, so ist damit nichts gewonnen. Vielleicht wird man eines Tages auch bei Telering begreifen: Zwischen Christkind und Weihnachtsmann gibt es längst eine Aufgabenteilung: Der Weihnachtsmann steht vor den Kaufhäusern, erscheint im Fernsehen und auf Werbeplakaten, wirbt für Coca Cola. Das Christkind ist eine sakrale Figur und bringt Kindern die Geschenke. Fröhliche Weihnachten!




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Sprache, Sedlaczek

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Dokument erstellt am 2011-12-20 17:38:04


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