
Sprechen Sie Wienerisch? So heißt ein Quiz auf Radio Wien. Jeden Tag in der Früh stellt Reinhardt Badegruber ein Wort zur Diskussion und fragt die Hörerinnen und Hörer, was es bedeutet. Unlängst ist es um den Span gegangen.
Schon im Althochdeutschen war spanein langes, flaches Holzstück, später ein kleines Stück, das beim Hobeln oder bei anderen Holzarbeiten als Abfall entsteht. Wird dieses Wort im übertragenen Sinn verwendet, dann ist damit seit dem Mittelhochdeutschen ein Zerwürfnis, eine Streitigkeit gemeint. Dabei hat auch die Bedeutung des Zeitwortsspanen(= locken, reizen, antreiben) hineingespielt - von daher stammen Wörter wie abspenstig und widerspenstig. "Späne machen" heißt "Widerstand leisten", "einen Span begraben" heißt "einen alten Streit vergessen". "Die Fürsten sind versöhnt, das ist die Wahrheit, / und in der hohen Häupter Span und Streit / sich unberufen, vielgeschäftig drängen, / bringt wenig Dank und öfterer Gefahr", heißt es in Friedrich Schillers "Braut von Messina".
Originär Wienerisch ist für Span die Bedeutung Zigarette, "an Span durchziagen" für "rauchen" - das ist Sandlersprache. Und weil der Gutschein der "Wiener Einkaufsstraßen" verdient sein will, gibt Reinhardt Badegruber drei Antworten vor, von denen zwei falsch sind und manchmal ein wenig in die Irre führen - in diesem Fall war es die Antwort Holzlöffel. Ein bearbeitetes Holz kann man beim besten Willen nicht alsSpanbezeichnen.
Ein Hörer von Radio Wien hat sich bei mir beschwert. Er hätte auf Holzlöffel getippt, und zwar auf Grund eines Ausschlussverfahrens: "Im Wienerischen heißt es: ,Hast an Späh fia mi? So wirst du manchmal auf der Straße angeschnorrt. Ich sehe das so: Ein Span ist ein kleines, längliches Stück Holz, ein Späh ist eine Zigarette. Die bei Radio Wien haben da etwas verwechselt. Die hätten nach Späh fragen sollen."
Nein, die bei Radio Wien haben nichts verwechselt. Aber in einem Punkt kann ich dem Hörer recht geben. Ich glaube ihm gerne, dass er die LautformSpäh im Ohr hat. Es handelt sich um die Mehrzahl von Span, nur hat das Wort die Endung verloren: aus Späne wird Spän. Und wenn das Wort noch ein wenig in die Länge gezogen wird, klingt es wie Späh.
Ich höre jetzt schon den Einwand: "Warum heißt es ,an Späh?" Das Wort "an" sieht zwar aus wie der unbestimmte Artikel "eine", hat hier aber eine andere Bedeutung: "einige". "Birnan san aa an do."
Das ist ein typischer Beispielsatz für die urtümliche Wiener Mundart: Birnen sind auch einige da. Genauso heißt es: Er hat an Späh fia mi. Da wird die Mehrzahlform als Einzahl verwendet.
Der Wiener Schriftsteller Stefan Slupetzky hat für sein "Trio Lepschi" einen originellen Liedtext geschrieben: "Rauchst an Schpeh, kummt die Heh, / saufst a Bia, kummt di Schmia / rauchst
an Tschick, kumman d Flick, / saufst an Wei, kummt d Kiwarei, / frisst an Schpeck, schpean s di weg . . ."
So schlimm ist es noch nicht. Aber wir arbeiten daran . . .
Die Beschäftigung mit Kindern und Monstern führt einen ja zwangsläufig zur Frage, wer denn da eigentlich die größeren Ungeheuer sind: die imaginierten...weiter