• Artikel vom 06.02.2012, 15:35 Uhr

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Update: 06.02.2012, 16:10 Uhr
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Sprachschätze

Alles brutto für netto


Von Hilde Weiss
  • Es gibt viele Möglichkeiten, wie man sich fühlen und präsentieren kann. Meist ist das recht aufschlussreich - auch aus sprachlicher Sicht.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Loyal kann man sein: Das ist die französische Form von legal, "dem Gesetz (lateinisch lex) entsprechend", sprachlich eng verwandt mit denen, die kollegial sind. Man kann aber auch perfid sein. Das kommt, eng verwandt mit den Fidelen, vom lateinischen Verb fidere für trauen, vertrauen, glauben.

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Nörglerisch, das kommt - lautnachahmend - von den Tönen, die man in diesem Zustand von sich gibt, früher auch nergeln, nirgeln, nürgeln genannt. Oder grollend: Auch hier ist der Name aus den dafür typischen Lautäußerungen entstanden (grrrrr).

Verdrießlich, verdrossen: Das geht auf ein germanisches Verb für ermüden zurück. Oder man ist edel, "adel" (wie der Adel). Pietätlos: Hier hat man es mit dem lateinischen Adjektiv pius für pflichtgemäß, fromm, rechtmäßig zu tun. Verärgert? Das kommt von arg und lässt durchblicken, dass Verärgerung alles meist noch schlimmer, schlechter macht - ärger.

Ist man intrigant, kommt das vom lateinischen Verb intricare für verwickeln und verwirren.

Und wer unverfroren ist, sorgt für so manches Frösteln. Mit Frieren hat das dennoch nichts zu tun, denn das Wort geht auf ein altes, mittlerweile ausrangiertes Wort für unerschrocken zurück,

das nicht mehr verstanden und so zur Beute volksetymologischer Deutungslust wurde.

Feig: Hier begegnet man dem germanischen Adjektiv feigja für todgeweiht (im Sinn von verzagt sein, sich verhalten, als wäre man todgeweiht). Und faul heißt - vom germanischen Adjektiv fula für verfault, faul - man ist so träge, dass man zu faulen beginnt.

Flegelhaft, klingt harmlos, zu tun bekommt man es aber mit dem Dreschflegel, der auf das lateinische Wort flagellum für Peitsche, Geißel, Flegel zurückgeht. Rüpelhaft auch noch? Das kommt vom Namen Ruprecht, der schon seit dem 16. Jahrhundert als Gattungsname für alle Groben herhalten muss. Wieso aber ausgerechnet Ruprecht, "der durch Ruhm glänzt"? Das hat er Knecht Ruprechts grober Art bei diversen Nikolaus-Bräuchen zu verdanken. Grob kommt vom germanischen Adjektiv gahruba für verkrustet, verschorft.

Grobschlächtig heißt "ins Grobe schlagend".

Brutal - hier begegnet man, wie auch beim Bruttoeinkommen, "dem Roheinkommen", dem lateinischen Adjektiv brutus für schwerfällig, roh, stumpf, stumpfsinnig, dumm. Und nett und netto kommen vom lateinischen Adjektiv nitidus für blank, sauber, schön, glänzend.

Enttäuscht und enttäuschend: Hier ist - auch sprachlich - vieles anders, als es auf den ersten Blick scheint, denn die Enttäuschung kommt vom Tauschen und war ursprünglich neutral und sogar positiv gemeint. Der Irrende wird aus seiner Täuschung gerissen und eines Besseren, Gesünderen belehrt. Ein Rosstäuscher war ganz sachlich ein "Rosstauscher", ein Rosshändler. Das Verb enttäuschen, erst im 19. Jahrhundert als Ersatz für französische Fremdwörter entstanden, war prompt ein voller Erfolg, wurde dann aber doch bald als unangenehm eingestuft und die unmissverständliche Klarheit mit dichtem Nebel durchsetzt.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-06 15:41:05
Letzte Änderung am 2012-02-06 16:10:35


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