• Artikel vom 08.02.2012, 16:33 Uhr

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Update: 08.02.2012, 16:45 Uhr
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"Wir wollen alle Tage sparen . . ."


Von Engelbert Washietl
  • Bald werden Faymann und Spindelegger den Sack öffnen, es ist wie vor Weihnachten. Ein paar Milliarden auf oder ab sind nicht das Problem.

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten". Der Autor ist Sprecher der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor "Wirtschaftsblatt", "Presse" und "Salzburger Nachrichten".

Haben das wirklich alle mitbekommen? Ende vorigen Jahres zeigten unsere Spitzenpolitiker in der Auslage ein Sparpaket von 10 Milliarden Euro, derzeit schauen wir gebannt zu, wie Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger ein Sparpaket von 27 Milliarden konstruieren. Da hat sich dank der Ratingagenturen, die Österreich des Triple A beraubten, der gute politische Wille in wenigen Wochen um fast 200 Prozent erhöht.

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Aber, sagen die Experten, so kann man auch nicht rechnen. Im dunklen Sack, in den bald das Licht fallen wird, pflanze sich der Spargroschen fruchtbar auf die nächsten Jahre fort und spiele Kumulativeffekte ein. So würden aus 10 gesparten Milliarden 27 werden.

Es wird eine schöne Zeit sein. "Wir wollen alle Tage sparen", sagte Johann Wolfgang Goethe im "Faust", fügte allerdings nach dem Beistrich hinzu: ". . . und brauchen alle Tage mehr." Der Dichterfürst hatte nicht nur Weitblick, sondern einen gesunden Hausverstand. Womit schon angedeutet ist, dass in all den Berechnungen viel Ermessenspielraum eingebaut ist. Man könnte auch "Luft" sagen. Wer hat die Waage, sie zu wiegen, sobald die Regierung das Geheimnis lüftet?

Wir werden nur das ziemlich genau messen können, was unser privates Anspruchsniveau zu erschüttern droht. Aber selbst das beruht auf subjektiven Wahrnehmungen. Bauern und Beamte haben ein besonders empfindliches Nervensystem und bekommen leicht Schmerzen. Aber auch alle anderen werden spüren, wenn die Mineralölsteuer den Benzinpreis noch weiter hinauftreibt, als es der freie Markt längst bewirkte. Oder wenn die Krankenkasse ein Medikament nicht mehr zahlt. Bei der Gelegenheit müsste der einsichtige Teil der Bevölkerung eigentlich erkennen, wie hoch das Niveau ist, von dem aus wir sparen. Das hat nicht annähernd mit dem Horror einer 15-seitigen Liste von Einsparungsmaßnahmen zu tun, mit der die griechische Regierung soeben das Volk schockiert.

In Athen verbrannten Demonstranten sogar schon die deutsche Flagge, um Europas Sparmeisterin Angela Merkel zu züchtigen. In Österreich ist der Aufstand gegen das, was kommen soll, maximal ein Aufstand der üblichen Funktionäre, die die Zeit verschlafen haben. Bezogen auf ihren Zielgruppen-Egoismus unterscheiden sie sich kaum von jenen griechischen Milliardären, die nicht daran denken, die Ärmel aufzukrempeln und sich an Maßnahmen zu beteiligen, die dem ganzen Land helfen könnten.

Wer das große Getöse um das Sparpaket nicht durchschaut, hat vielleicht nicht bemerkt, dass die Irreführung bereits in der Sprache steckt. Es geht nicht um Sparen, sondern um Einsparen. Geredet wird aber immer vom Sparen. Zum zweiten Mal sei eine Flucht vor den modernen Sparmeistern zu Goethe empfohlen, denn dieser sagte noch: "Aber, ach! Nicht das Sparen allein, um spät zu genießen, macht das Glück." Nach unserer vielwöchigen politischen Spardebatte müssen wird zugeben: Kaum ein Mensch versteht mehr, was er eigentlich gemeint hat.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-08 16:38:05
Letzte Änderung am 2012-02-08 16:45:52


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