
Komisch, dass das noch keinem vor mir aufgefallen ist. Dass die Mona Lisa eine obszöne Geste macht. (Vielleicht brauch ich aber auch bloß dringend diese eine Sache, die ich sogar auf eine einsame Insel mitnehmen würde: Urlaub.) Nein, getrunken hab ich nix. Dann würde der Mona Lisa ja eine weiße Maus auf der Schulter hocken. Mindestens.
Ähm, was ist das eigentlich? Es ist weiß, halb Pizza und halb irgendwas, und es wiehert. Hm. Ein Phantasiekaninchen, das glaubt, es wäre ein Pferd, und das sich vorzugsweise von italienischem Flatfood ernährt? Tja, wäre es orange und würde zur Gänze aus Lasagne bestehen und miauen, dann wäre das natürlich der Garfield. Weil es sich aber quasi um eine wiehernde Pizza handelt, ist es ein Pferd aus der Spanischen Hofreitschule. Die Lipizzaner (aha: zehn Buchstaben und die fünf in der Mitte machen eine Pizza), die sind freilich eh nicht das Problem. Die tun mir nichts. Die andern weißen Dinger schon. Die, deren süchtig machender Teil Fäkalien enthält. In den Zigaretten ist Scheiße drin? Klar. (Wieso würde man Nikotin wohl sonst so schreiben, wie man es schreibt?) Und was hat das mit dem Stinkefinger der Mona Lisa zu tun? Na ja, den können möglicherweise nur paranoide Kettennichtraucher sehen. Fanatische Gesundmenschen, die demonstrativ eine nach der andern nicht rauchen und den Rest der Menschheit zum Passiv-Nichtrauchen erziehen wollen. Am besten gleich jeden, der einen verdächtigen Gegenstand zückt, mit dem Feuerlöscher niederschäumen. ("Hoppala, des woa nur a Kuli.")
Der Stinkefinger ist mir letzten Freitag erschienen. Da war beim "Kurier" die Mona Lisa mit ihrer Zwillingsschwester vorn drauf. Mit dem Charles Bronson? (Der spielt immerhin so Mundharmonika wie die Lisa lächelt: oral.) Nein, mit einer Mona-Lisa-Kopie aus dem Prado. Weil die ist plötzlich nimmer von irgendeinem flämischen Leonardo Provinzi. Die stammt ab sofort aus der Werkstatt des Großen Meisters. Links das Original: vergilbt wie die Tapete in einer Räucherstäbchen-WG. Rechts die Kopie: kerngesunde Farben. Jö, wie der klassische Kontrast: Geteerte Lunge gegen rosiges Unschuldsbeuschel. Auf einmal eine Offenbarung: Oh, die Mona Lisa hat einen imaginären Tschick. Ach was: eine fette Zigarre! Die passt genau in die Lücke zwischen Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand. (Und sich eine anzuzünden ist heutzutage anstößig. Der Tschick ein infamer Finger.) Muss eine Sinnestäuschung sein. Eine Fata Havanna. Denn wie hätte einer aus der Renaissance die unsichtbare Havanna malen können? Die hat’s ja noch gar nicht gegeben, damals. Wird man womöglich auch vom Passivrauchen "blond"? Machen die Gagaretten nicht nur die aktiven Raucher ganz ziga? Hm. Sollte der Bundespräsident seine Rede an die Nation irgendwann so beginnen: "Liebe Österraucher und Nichtraucher", dann - bin ich ziemlich sicher hinich in der Marillen. He, eine Idee für ein schnelles Faschingskostüm: Man geht einfach als Sfumato. (Leonardo da Vincis Weichzeichner-Technik, die alles sanft vernebelt.) Benötigt wird lediglich ein Packerl Tschick. Zum Paffen. Ich komm’ trotzdem lieber mit einem Glas Marillenmarmelade zur Party und löffle das Zeug live in mich hinein. Weil ich bin ein Faschingskrapfen.
Die Beschäftigung mit Kindern und Monstern führt einen ja zwangsläufig zur Frage, wer denn da eigentlich die größeren Ungeheuer sind: die imaginierten...weiter