• vom 09.04.2012, 16:33 Uhr

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Sprachschätze

Wenn es sich wieder einmal hinzieht


Von Hilde Weiss

  • Straßenverkehr: aus sprachlicher Sicht immer staufrei, keine Baustellen,
  • kein Lärm, keine Parkplatzprobleme, keine Rüpel - rein theoretisch.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Verkehr, vom Verkehren, miteinander umgehen, darunter verstand man ursprünglich "Handelsverkehr", wirtschaftlichen Austausch. Via strata, via rupta, via calciata, diese Begriffe stecken, eng verwandt mit Viadukt und Konvoi, auch in unserem Verkehrsvokabular. Die Straße kommt vom lateinischen Begriff via strata, gepflasterter Weg (vom Verb sternere für ausstreuen, ausbreiten, ebnen) - ursprünglich ein Wort für Heerstraße. Route, vom lateinischen Begriff via rupta, freigebrochener Weg (vom Verb rumpere für brechen, freischlagen), darunter verstand man ursprünglich eine Bahn durch die Wildnis, eng verwandt mit der Routine, "der Routenkundigkeit". Und die Chaussee kommt vom vorromanischen Begriff via calciata für Schotterstraße, "Kalksteinstraße" (vom lateinischen Wort calx für Kalkstein, Stein).

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In der Gasse steckt der gotische Begriff gatwo für Straße und Platz, eng verwandt mit dem Gateway,

der uns auf den Weg bringt: Dieser kommt vom germanischen Verb wega für bewegen, eng verwandt

mit dem Weggehen und der Tramway, "dem Schienenweg".

Ganz einfach: Im Wagen und im Waggon, "die sich bewegen", steckt ebenfalls der Weg. Fahrbahn, Bahn - hier haben wir es mit einer indoeuropäischen Wurzel für schlagen, freischlagen zu tun. "Die sich einen Weg bahnt", das ist die Bahn, die Eisenbahn. Und Zug heißt "der zieht" (oder gezogen wird), eng verwandt mit dem Zögern, "dem Hinziehen".

In der Trasse steckt das lateinische Verb trahere für ziehen, eng verwandt mit dem Trakt, "der sich hinzieht", der Subtraktion, "dem Abziehen", und der Extraktion, "dem Herausziehen", dem Auszug. Und Spur heißt "Tritt", vom germanischen Wort spura für Fußabdruck, Fußspur, eng verwandt mit dem Spuren, "die Spur halten", und dem Spüren, "dem Nachspüren" (der Spur folgen, aufspüren).

In der Allee steckt das französische Verb aller für gehen, eng verwandt mit den Allüren, "der Gangart" (der Vorgehensweise), und der Ambulanz, "die herumgeht". Die Ampel kommt vom lateinischen Wort ampulla für kleines Gefäß und war ursprünglich das ewige Licht in der Kirche. Und Tunnel kommt, eng verwandt mit der Tonne, vom altfranzösischen Wort tonnel für Tonnengewölbe, Fass.

Der Platz geht wie die Platte und das Plateau auf das griechische Adjektiv platys für flach, breit zurück. Areal kommt vom lateinischen Wort area für Fläche, freier Platz, eng verwandt mit Ar und Hektar. Das Gebiet kommt vom Gebieten und der Bereich vom mittelhochdeutschen Verb bereichen für reichen, sich erstrecken. In der Region steckt das lateinische Verb regere für lenken und leiten, eng verwandt mit dem Regieren und dem Regulieren. Die Gegend ist "die Gegenüberliegende" und Gelände heißt, als Kollektiv zu Land, "Gesamtheit der Landstriche".

Aber wieso ist es so wichtig, auf dem Damm zu sein? Unter Damm verstand man zuerst eine erhöhte, befestigte Straße mit Fahrbahn. Auf dem Damm sein heißt daher, auf einer guten Straße zu sein und gut voranzukommen.



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Dokument erstellt am 2012-04-09 16:38:12


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