
Zwischen Federball und Badminton liegen Welten. Das eine kannst du quasi schon im Kindergarten spielen, fürs andere brauchst unbedingt einen Trainer, weil dir ansonsten die lächerliche Figur vorm Netz bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Weshalb die Veronika und ich uns an den Adi gehalten haben. Ein freundlicher, älterer Herr mit viel Schmäh und noch mehr Bierbauch, der sich so wie Toni Polster in seinen besten Tagen kaum bewegt am Platz und uns die Federbälle trotzdem um die Ohren schießt, wie er’s nur braucht. Zwischendurch zwinkert uns der Adi aufmunternd zu. Wie der strenge Trainer in Karate Kid. Genau so.
Monatelang ging alles gut. "Schwitzen für uns und Adi", war das Motto. Bis knapp vor Weihnachten. Da haben wir einen Trainingstermin verpasst. Zum ersten Mal. Es war eine Mischung aus Hektik, Hirnsausen und weit und breit kein Parkplatz zu finden und als wir endlich, nämlich zehn Minuten zu spät, im Fitnesscenter angekommen sind, traf uns Adis Verachtung mit der Wucht einer biblischen Plage. So macht das keinen Sinn, meinte er, und das war das Letzte, was wir von ihm gehört oder gesehen haben. Eine Sprachnachricht konnte ihm Veronika noch entlocken, danach war selbst mir klar, dass wir uns einen neuen Badminton-Trainer suchen müssen. Womöglich einen Chinesen. Der das Badminton im Blut hat wie der gelernte Österreicher seinen Carving-Ski. Und nicht ganz so genau auf die Uhr schaut wie der Adi.
Leider ist das bei uns mit den Chinesen so wie mit der Polizei: Sobald du einen brauchst, ist sicher keiner da. Nach monatelanger Suche gaben wir auf. Unser neuer Trainer ist ein Kärntner. Und ich will jetzt keine blöden Meldungen hören. Kärntner können alles besser als die Wiener. Warum also nicht auch Badminton?
Der junge Mann war Staatsmeister. Und seit der ersten Trainingseinheit hege ich den starken Verdacht, dass er meint, ich muss auch einer werden. Am Morgen danach musste mir meine Frau Franzbranntwein zwischen die Schulterblätter reiben, noch vor dem Zähneputzen, anders wäre ich gar nicht an die Zahnbürste herangekommen. Früher dachte ich, das ist gesund. Heute weiß ich, Sport ist Mord in kleinen Raten. Und auch Badminton tut weh. Allerdings erst hinterher.
Artikel erschienen am 13. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 47
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