• vom 12.04.2012, 16:39 Uhr

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Kunstsinnig

Der Wecker läutet um 6.66 Uhr


Von Claudia Aigner

  • Ist ein Standby-Lamperl so gefährlich, wie wenn man von einem Pudding am Kopf getroffen wird? Und werden die Kängurus einmal die Welt umbringen?



Ein Raumfahrer steckt, während er sein Astronautending durchzieht, in einem Raumanzug. Aber was trägt ein Zeitreisender, während er sein Temponautending durchzieht? Das ist keine Scherzfrage. Sonst wäre die Antwort garantiert: eine Uhr.

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Er trägt natürlich einen Zeitanzug. Und wie schaut der aus? Na ja, er ist kariert. In der Nacht vom Samstag, dem 24. März, zum Sonntag, dem 25., bin ich jedenfalls rein zufällig selber eine Stunde in die Zukunft gereist, und dabei hab ich einen Pyjama angehabt. Okay, ich hab die ganze Action verschlafen und am Morgen hat halt plötzlich eine Stunde gefehlt. Um neun war’s auf einmal bereits zehn. Ach, und das hat meine innere Uhr so verstellt, dass ich jetzt überhaupt kein Zeitgefühl mehr besitze, weshalb ich zum Dinner-Cancelling dauernd zu spät komme, nämlich immer erst nach dem Abendessen antanze? Hm. Unpünktlich war ich eigentlich schon vorher. Apropos vor. Nein, ich hab mir noch keinen dickeren Vor-hang fürs Schlafzimmer gekauft. Also muss ich improvisieren. Vielleicht leg ich mich verkehrt ins Bett. Die Füße auf den Polster. Dann bräucht’ ich allerdings einen Schnorchel. Zum Atmen unter der Decke.

So schlafen die Australier sicher auch. Die Menschen auf der andern Seite der Erdkugel. Die uns ihre Sohlen zuwenden. Bei denen sind die Füße oben und der Scheitel ist unten. Oh, womöglich sind die Arbeiten von diesem Götz von Baselitz, äh: Georg Baselitz, der seine Bilder verkehrt aufhängt, gar keine Götzzitate. (Dann würden sie ja mit dem Gesicht auf der Wand picken.) Es sind wahrscheinlich Porträts von Australiern! Und wer sind nachher die, die so gern Kruzifixe umdrehen? Sektierer, die glauben, der Jesus wäre ein Aboriginal gewesen? Nein, Leute, die sich den Wecker auf 6.66 Uhr stellen (also auf sieben Uhr und sechs Minuten), weil 666 die Teufelszahl ist: Satanisten. Aber wenn die alles auf den Kopf stellen, ist doch 9.99 Uhr der böse Zeitpunkt! (In die christliche Zeitrechnung übersetzt: 10.39 Uhr.) Klar. Weil man den Job verliert, wenn man erst nach halb elf aufsteht. He, ich weiß jetzt, was die Offenbarung des Johannes mit der "Zahl des Tieres" meint: die Stückzahl der Kängurus. Wenn nur noch 999 in Down Under rumhüpfen, wird dort die ganze Welt untergehen. Ein romantischer Schluss wie von einem Western: Die Flöhe reiten auf ihren Springbeutlern in den Weltuntergang. ("999 Kängurus" - hat so nicht ein apokalyptisches Lied von der Nena geheißen?)

Und was bewirkt nun ein dickerer Vorhang? Der hält die gefährlichen Dickmacher draußen. Aha, die Aliens, die mich jede Nacht entführen und mästen, können mich dann nimmer gut mit dem Traktorstrahl erfassen. Blödsinn! Die Straßenlaterne vor meinem Fenster behelligt mich nicht mehr mit ihren Lichtstrahlen. Weil Photonen sind Fettonen. Und seit ich gelesen habe, dass nächtliches Dämmerlicht appetitlich macht (oder: Gusto macht), nehm’ ich schon zu, wenn ich auch nur das Standby-Lamperl vom Fernseher anschau’. Zuerst treibt mich also die Laterne zum Kühlschrank und das Licht im Eiskasten gibt meiner Figur den Rest. Nötigt mich, vier Becher Pudding zu essen. (Der Hunger hat eben einen sehr empfindlichen Lichtsensor. Sobald er von einem Photon getroffen wird, fängt der Magen an zu knurren.)




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Kunstsinnig, Glossen, Meinung

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-12 16:50:15


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