• vom 13.04.2012, 16:34 Uhr

Glossen

Update: 13.04.2012, 17:23 Uhr
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Glossenhauer

We wish you a pleasant journey


Von Severin Groebner

  • Wer mit der Bahn fährt, muss erkennen, dass es sich bei den ÖBB um ein Wellness-Unternehmen handelt.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Man kommt nicht gleich drauf, aber nach einiger Zeit wird es einem klar: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) stellen sich mit aller Kraft dem Zeitgeist in den Weg. Wo alles "schneller, höher, weiter, besser!" schreit, da denken sich die ÖBB "in der Ruhe liegt die Kraft".

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Im Zug von Wien nach Graz, zum Beispiel, setzt sofort Wohlgefühl ein, kaum hat man Platz genommen. Denn die Sitzmöbel in dem Großraumwagen laden zum Flätzen ein. Hier kann man halb liegend, halb sitzend aufs Schönste herumlungern. Aufrecht sitzen ist jedoch unmöglich. An Schreiben oder andere Arbeiten ist hier nicht zu denken. Dafür sorgen auch die Tische.

Diese sind von halbrunder Form, sodass man darauf zwar ein Getränk (Kaffee, Smothie, Long-Island-Icetea), aber sicher keinen Laptop oder gar einen altertümlichen Schreibblock drauf abstellen kann. Selbst ein menschlicher Unterarm fühlt sich dort nicht wirklich wohl. Langsam stellt sich echtes Lounge-Feeling ein.

Unbedarftere Zeitgenossen könnten in dieser Innenraumgestaltung einfach nur missglücktes Design vermuten. Das ist aber falsch. Denn wo der Benutzer der Deutschen Bahn mit verstellbaren Lehnen und Klapptischchen geradezu gezwungen wird, sich dem Erwerbsleben zu widmen, da setzen die ÖBB Zeichen. Sie nehmen ihren gesellschaftlichen Auftrag wahr und möchten dieser gestressten Gesellschaft ein wenig Muße und Entschleunigung geradezu aufzwingen. Unter anderem auch mit der flexiblen Interpretation ihrer Fahrpläne.

Selbst die Kommunikation über Mobiltelefone wird auf das Notwendigste beschränkt. Züge der ÖBB werden unter Fahrgästen gerne als "fahrende Funklöcher" bezeichnet. Nicht ohne einen anerkennenden Unterton für diese Hide-Aways des Informationszeitalters. Gut, das stimmt nicht ganz, in den Tunnels gibt es manchmal tatsächlich kurz eine Verbindung zum Netz. Und doch ginge es noch besser: Schummrige Beleuchtung, die jegliches Lesen (etwa von Tageszeitungen oder Fachmagazinen) verunmöglicht, wäre ein weiterer konsequenter Schritt. Dazu gering dosierte Beimengung von Betäubungsgas in die Raumluft durch die Klimaanlage (sollte das nicht möglich sein, einfach Haschischkekse verteilen) und Andi Baums "Slow Down" im Dauer-Loop. Dann wäre die totale Entspannung der Fahrgäste unausweichlich. Man würde nicht mehr mit dem Zug in den Urlaub fahren, sondern gleich im Zug Urlaub machen.

Trotz all dieser Annehmlichkeiten vergessen die Bundesbahnen aber nicht darauf, ihre Fahrgäste zu warnen, dass da draußen eine böse, kalte Welt lauert. Einem Damoklesschwert gleich, das über dem gleichnamigen Herrscher baumelte, zieht ein sehr hoher, unangenehmer Ton durch den Waggon. Von Wien bis Graz. Dieses akustische Mahnmal erinnert uns ÖBB-User daran, dass es nicht überall auf der Welt so schön ist wie in einem Waggon der ÖBB.

We wish you a pleasant journey.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-13 16:41:05
Letzte Änderung am 2012-04-13 17:23:07


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