• vom 16.04.2012, 16:02 Uhr

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Update: 16.04.2012, 16:59 Uhr
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Sprachschätze

Sich seine Sporen erst verdienen


Von Hilde Weiss

  • Wir wappnen und rüsten uns, geharnischt, lassen andere im Stich, drehen Spieße um und brechen Lanzen - ganz wie im Mittelalter.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Schilde, Panzer, Sporen - unser Wortschatz ist reich an Geschichte. Wappen und Waffen, beide bedeuteten ursprünglich Kampfgerät und gleichzeitig Erkennungszeichen, Schildzeichen. Sich wappnen - hier ist die alte Bedeutung erhalten. Rüstig heißt "gerüstet". Sich entrüsten heißt, die Rüstung auszuziehen, eng verwandt mit dem Rüstzeug und dem Gerüst. Das Geharnischte kommt vom altfranzösischen Wort harnais für Rüstung. Und im Panzer steckt der französische Begriff pancier für Panzerhemd und in diesem das lateinische Wort pantex für Wanst.

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Die Heraldik, "die Heroldik", geht darauf zurück, dass Herolde bei den Turnieren den Ablauf überwachten und die Wappen der Teilnehmer prüften. Und der Kavalier, vom mittellateinischen Wort caballus für Pferd, war ursprünglich ein Ritter, ein "Berittener".

Anspornen und sich die Sporen verdienen, das bezieht sich auf die jungen Ritter, die sich erst bei einem Turnier oder in einer Schlacht bewähren mussten, zeigen mussten, dass sie ihre Sporen tatsächlich verdienen.

In die Schranken treten, diese Redewendung bezieht sich auf die Abschrankungen bei Turnieren, eng verwandt mit dem Beschränkten, "das durch Schranken eingegrenzt ist".

Oft wird für jemand eine Lanze gebrochen, eng verwandt mit dem Elan, "dem Vorwärtsschnellenden". Auch das knüpft an das mittelalterliche Turnierwesen an, denn mitunter wurden Kämpfe für andere ausgetragen. Andere im Stich zu lassen, das heißt, man lässt sie, steht man ihnen im Kampf, dem Stechen, nicht bei, "im Stich" (der Gegner). Und Argumente sind dann stichhaltig, wenn sie dem Stechen standhalten, wenn sie "Stich halten".

Oder man führt etwas im Schilde, wie früher die Ritter ihre Abzeichen und Wahlsprüche: Die Schilde "schilderten" Herkunft und Absicht der gepanzerten Reiter. Etwas im Schilde führen, das bedeutete nicht zwangsläufig Heimtückisches, aber da sich Waffen gut hinter einem Schild verstecken lassen, entwickelte sich daraus die heutige Redensart. Den Spieß umdrehen, das heißt, man wendet im Handgemenge die Waffe des Gegners gegen ihn. Und jemand aus dem Sattel heben, das bedeutete ursprünglich, ihn mit der Lanze aus dem Sattel zu stoßen.

Auch wer nicht reitet, will möglichst fest im Sattel sitzen, sich möglichst lang im Sattel halten und möglichst sattelfest sein, "sicher im Sattel sitzend".

Jemand die Stange halten, das kommt daher, dass im Zweikampf den Kämpfern ein Sekundant zur Seite stand, der zur Durchsetzung der Regeln mit einer Stange eingreifen konnte. Man konnte auch "die Stange begehren", sich für besiegt erklären.

Traben, ein Fachwort der Ritter, vom mittelniederdeutschen Verb draven, ist ein lautmalendes Wort ("trabtrab machen").

Und Turnier heißt "Drehen und Wenden" (der Pferde), vom lateinischen Wort tornus für Dreheisen, Drechseleisen. In Acht, "Friedlosigkeit" (vom germanischen Wort ahto), und Bann, "dem Gebot" (vom germanischen Wort banna), eng verwandt mit den Banditen, "den Verbannten".




Schlagwörter

Linguistik, Weiss, Sprache

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 16:08:06
Letzte Änderung am 2012-04-16 16:59:49


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