• vom 17.04.2012, 15:34 Uhr

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Update: 17.04.2012, 15:52 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Vielleicht bleibt nicht einmal der nackte Name


Von Robert Sedlaczek

  • Die Krainer Wurst sorgt weiter für Gesprächsstoff. Der Streit wird in mehreren Phasen ausgetragen und könnte Jahre dauern.

Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose"

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache.  Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

hat einen vieldeutigen Titel. Erst am Ende des Buches wird er mit einem lateinischen Zitat entschlüsselt: "Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus." Auf Deutsch: "Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen."

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Obwohl ich weiß, dass dieser Satz auf den sogenannten Universalienstreit bezogen ist, kommt er mir jetzt immer dann in den Sinn, wenn ich Kommentare über den Krainer-Wurst-Streit lese. Der "Kleinen Zeitung" konnte ich entnehmen, dass alles nicht so schlimm ist. Slowenien habe nur die Aufnahme des Namens Kranjska klobasa in das Verzeichnis der geschützten geografischen Angaben (ggA) beantragt. Wenn dies gelingen sollte, müsste Slowenien in zweiter Linie verlangen, dass der Schutz auch auf Übersetzungen ausgedehnt wird. Österreich könnte im Gegenzug ins Treffen führen, dass der Begriff Krainer Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs ist.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum ich eine Fortsetzung meiner Kolumne von voriger Woche schreiben musste. Im Antrag der Slowenen steht, dass der Name der früheren Markgrafschaft Krain - die lange Zeit Teil der Habsburgermonarchie war und heute auf slowenischem Staatsgebiet liegt - gleichbedeutend mit "Grenzland" ist.

Universitätsprofessor Heinz-Dieter Pohl aus Klagenfurt weist mich in einem Brief darauf hin, dass das nicht stimmt. Der Name Krain (lateinisch Carniola) beruht auf romanisch Carnium und geht auf keltisch karno- zurück, das "Spitze, Anhöhe, Hügel, Steinhaufen" bedeutet; so ist auch die benachbarte, in Italien liegende Landschaft Carnia zu deuten. Der Name Krain hat also nichts mit slawisch krajina (Grenzland) zu tun. Ich habe das leider aus der slowenischen Intervention ungeprüft übernommen.

Wie kann aus Carnium der Name Krain werden? Das ist ein slawisches Lautgesetz. Bei der Übernahme von keltischen oder römischen Namen werden die Laute c-a-r-n umgestellt. Sie werden zu c-r-a-n. Wenn die Verfasser der Laibacher Intervention in der einschlägigen slowenischen Fachliteratur nachgesehen hätten, wäre ihnen der Fehler nicht unterlaufen.

Ich habe den Eindruck, dass das Wirtschaftsministerium und die Wirtschaftskammer einiges verschlafen haben. Slowenien will sich seit einiger Zeit den Namen tajersko-prekmursko buèno olje(Kernöl aus der Steiermark und dem Übermurgebiet) sichern. Prekmurje (deutsch Übermurgebiet) ist eine historische Region im äußersten Nordosten Sloweniens. Der Landesteil ist nach dem Fluss Mur benannt, der einst die in Ungarn lebenden Slowenen von den cisleithanischen in der Untersteiermark trennte.

Eigentlich müssten in den Schubladen ausgefeilte Konzepte liegen, wie wir den Angriff auf die Krainer Wurst abwehren. Davon ist jedoch nichts zu bemerken. Ich bin nicht so optimistisch wie die "Kleine Zeitung". Es kann sein, dass uns nach einem jahrelangen Streit nicht einmal der nackte Name der Wurst bleibt.




Schlagwörter

Sprachkritik, Sprache

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-17 15:41:04
Letzte Änderung am 2012-04-17 15:52:04


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