• vom 24.04.2012, 08:00 Uhr

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Jagdszenen und Midlifecrisis


Von Peter Krobath



Seltsamerweise ist an dieser Stelle noch nie etwas über Erotik geschrieben worden. Gesundheitspolitisch gesehen ein völliger Schwachsinn. Immerhin ist die Erotik schon seit Zeiten des hastig Gebratenen am Lagerfeuer ein Urtrieb des Menschen, den es zu befriedigen gilt, ansonsten zumindest Troja droht. Und zweitens ist das Thema auch ökonomisch von Interesse. Weil Erotik-Kolumnen, die werden gelesen wie nur sonst was. Vom Mehrwert beim Googeln ganz zu schweigen.

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Ist halt leider echt nicht einfach. Richtig gute Erotik, noch bevor sich einer die Mühe macht, das Kopfkino auch noch aufzuschreiben, entsteht aus purer Langeweile. Eine U-Bahn in der Wiener Innenstadt. Ich. Und eine Stimmung wie im Lied von Wolfgang Ambros. Draußen, drinnen, eh schon wissen und ich steh’ in der Mitten. Aus der Langeweile tut sich eine Unruhe auf. Ein hauchdünner Riss im Normalen nur, der nicht zu greifen, wohl aber zum Spüren nahe da ist. Station Volkstheater. Die Tür geht auf. Eine Gottfrau steigt ein.

Ersparen Sie mir bitte die Beschreibung. Ich werde heute noch nervös, wenn ich nur daran denke. Jedenfalls setzt sich der Grund, warum ich überhaupt noch auf der Welt bin, zumindest jetzt und in diesem Moment, mir direkt genau gegenüber. War halt noch ein Platz frei. Und für das Schicksal kann ich nichts. Logisch werfe ich mich in Position.

Hinschauen ist erlaubt. Das gilt auch noch nach 20 Jahren Ehe, tut mir leid, quasi katholisches Übereinkommen. Und wer schaut, will höflicherweise auch gesehen werden. Kommt man sich ja komisch vor, wenn man nur gafft und nicht auch quasi Networking betreiben will.

Fahrscheine bitte! Sagt da einer neben mir. Genau in dem Moment, in dem die Wirklichkeit recht nahe zu den Visionen kommt. In dem ich ein Lächeln zu spüren glaubte. In dem ich dem Herrn für die fesche Frühlingsjacke dankte, die er eben noch in seiner göttlichen Erleuchtung mir zu kaufen eingab. In dem, um es in den Worten meines damals zumindest in seiner Fantasie äußerst umtriebigen Realgymasiumsunterstufenfreundes Hannes Leisacher auszudrücken, alles möglich gewesen wäre.

Und eh klar hätte ich einen Fahrschein gehabt. Und lässig aus der Tasche gezückt. Wenn nicht typisch Stress und kein Kleingeld und eh nur drei Stationen. Aber glauben Sie, der hört mir zu? Ein Sautag war das.

Artikel erschienen am 20. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 47



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Dokument erstellt am 2012-04-17 17:11:03


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