
Wen der Frühling auf den Leopoldsberg und vielleicht sogar die steile "Nase" hinauf treibt, wird oben durch ein holpriges Gedicht zu Ehren Markgraf Leopolds begrüßt: "O Erdenbürger, des Aug und Herz sich labt an all der Schönheit rings in Gottes Garten . . .": So beginnt es, zieht sich etwas und leidet vor allem unter einem von der Autorin nicht verschuldetem Manko. Die moderne Wirklichkeit lässt Gottes Garten vermissen. Die Halbschuhtouristen landen auf einer vergessenen Baustelle, können weder in die Leopoldskapelle noch in das mittelalterliche Schloss und fragen sich zu Recht, warum sie überhaupt heraufgekommen sind. Für den Turnvater Jahn, zu dessen 150. Geburtstag im Jahr 1928 eine Tafel angebracht worden ist, wäre die Anstrengung ja zu viel der Ehre.
Der Leopoldsberg, Zwilling des Kahlenbergs und geschichtsträchtig seit dem "Entsatz" gegen das Türkenheer 1683, präsentiert sich als Ruine der Wiener Kulturpflege. Diese scheint schon im September 1938 zu jenem Stein erstarrt zu sein, auf dem sich das Militärkommando Wien als "Traditionsträger" im Zusammenhang mit der 255 Jahre davor erfolgten Vertreibung der osmanischen Belagerer verewigte.
Es gibt kein Konzept für den Leopoldsberg, erst recht keines für Kahlen- und Leopoldsberg zusammen, die freilich nicht über einen Leisten geschlagen werden dürfen. Peter Schubert, Pressesprecher des Stifts Klosterneuburg, dem der Grund auf dem Leopoldsberg gehört, kann mit einem neuen "Zwischenbericht", datiert mit März 2012, dienen. Dieser erstickt zwar nicht jede Hoffnung, lässt aber keinerlei Eilfertigkeit ahnen. "Die Adaptierung und Neunutzung der Bauten auf dem Leopoldsberg stellen ein langfristiges und äußerst umfangreiches Projekt dar, in das die Gemeinde Wien, der 19. Bezirk, das Bundesdenkmalamt, Architekt Serda als Bauherr und Baurechtsnehmer und das Stift Klosterneuburg als Grundbesitzer eingebunden sind. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Umsetzung der konkreten Maßnahmen."
Erst einmal müsse das Bundesdenkmalamt darüber entscheiden, welches Bild gewünscht sei und welche Epoche dort sichtbar werden solle, sagt Schubert. Neubauten wie auf dem Kahlenberg kämen wohl nicht in Frage, die Erhaltung der historischen Substanz habe Vorrang. Ein "Castrum" wurde schon 1248 urkundlich erwähnt, während der zweiten Türkenbelagerung zerstört, wiederaufgebaut und ist als "Kayserliches Schloss" im Stift Klosterneuburg inzwischen gut dokumentiert. Was hinter den Mauern und den mit Spanplatten vernagelten Fenstern der Bauruine steckt, bleibt bis auf weiteres der Fantasie der Ausflügler überlassen.
Sobald die Entscheidungen gefallen seien, wäre ein Baubeginn jederzeit möglich, sagt das Stift. Für den Umbau des Schlosses und die Renovierung der Kirche könne man ein Jahr veranschlagen. Das Baurecht und Nutzungsrecht für hundert Jahre hat seit 2007 jedoch Architekt Alexander Serda, und wenn er die hundert Jahre weiter so nützt wie seit 2007, dann erledigt sich sowieso alles von selbst.
Je deutlicher sich die Welt in Richtung Wahnsinn dreht, desto öfter denken manche Menschen nach. Und zwar nicht nur in einschlägigen Zirkeln...weiter