• vom 19.04.2012, 17:21 Uhr

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Kunstsinnig

Das Wetter fällt heute einmal aus


Von Claudia Aigner

  • Wie schleckt man das Eis des Kolumbus? Und wenn man Mehl in einen Luftballon stopft, hat man dann am Ende eine Bombe oder einen Lachsack?



Mist! Ich hab schon wieder diese konzentrischen Störungen! Was für Störungen? Ach, ich kann mich halt nicht konzentrieren. Fühlen tu ich mich jedenfalls ganz komisch. Wie ein Fisch, der aus dem Aquarium gefallen ist und auf dem Wohnzimmerteppich verzweifelt nach Wasser schnappt. Oder wie ein Tag ohne Wetter. (Ohne Wetter? Wie abartig! Na ja, außer auf dem Mond. Dort ist "kein Wetter" die Standard-Einstellung.) Schuld an meiner Gestörtheit sind natürlich die Maya. (Wer sonst?)

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Die haben mir das Licht unter dem Scheffel ausgeblasen und jetzt geht mir keins mehr auf. Vor lauter Ideen fällt mir nämlich nix mehr ein. Alles wegen diesem apokalyptischen Stress. Immerhin wird in acht Monaten die Welt verenden. Und wie soll ich, bitte, bis dahin alles umbringen, was ich noch unbedingt loswerden will? (Äh, unter-bringen. In meiner Kolumne.) Das sind ja bloß noch 35 Freitage! Und am 35. sterben wir aus. Hm. Wird am 21. Dezember vielleicht einfach das Wetter ausfallen? Weil die schlimmste Wetterkapriole ist gar kein Wetter. Oder entführt ein Alien, womöglich dieser Antichrist, unser Klima? Übrigens, ich kann die Zahl 666 so umständlich aufschreiben, dass ich dafür sechs Neuner benötige. Okay, das Kunststück ist weniger elegant als das Ei des Kolumbus, das theoretisch auch mit einem Eis funktioniert. (Wie stellt man ein Tüteneis auf die Spitze, ohne dass es sofort umkippt? - Man beißt das unterste Zipferl vom Stanitzel ab.)

So. Wenn ich bis zum Ende dieser Kolumne noch immer kein Thema gefunden habe, dann bleibt mir nix anderes übrig, als einen Luftballon mit Mehl zwangszuernähren, ihn zuzuknoten, ein Smiley draufzumalen und das Ding schließlich mit der bloßen Hand hektisch zu kneten. Hä? Und dieses sadomagische Ritual soll mich inspirieren? Oh, das grinsende Latexgesicht repräsentiert wahrscheinlich das Hirn. Oder den Magen. (Oder den Humor?) Und irgendwann werd’ ich davon Migräne kriegen oder ein Magengeschwür. (Oder einen Lachkrampf.) Schmarrn! Das ist eine Bombe. Tschuldigung: ein Stressball für Selbermacher. Die Bauanleitung hab ich aus dem Internet. So ein Abreaktionsspielzeug soll ja total beruhigend sein. Bei einem Nervenzusammenbruch. Oder wenn man einen Voodoo-Anfall hat. Wenn man schäumt vor Voodoo. Und wie wandle ich nun drei Sechser in sechs Neuner um? Mit einem Taschenrechner und einer Prise Zaubersalz? Nein. Zuerst stell ich die Zahl 666 auf die Spitze: 999. Und das ist 99 x 9 + 99 + 9. (Ay, caramba!)

He, ich bring sogar ein Post-it dazu, auf seiner unteren Kante zu balancieren. Mit einem Bierdeckel, ja, schafft das wohl jeder. Man holt sich einfach einen zweiten Bierdeckel und lehnt die beiden aneinander. (Der Kartenhausschmäh.) Doch ein Haftnotizzetterl ist was für Fortgeschrittene. Mit dem ist das kein Geschicklichkeitsspiel mehr, das ist ein Intelligenztest. Darauf muss man erst einmal kommen, dass man mit dem Papierl bloß auf den Mond zu fliegen braucht und dort bleibt es eh von allein stehen. Weil ohne Wetter, wer soll es umpusten? (Wenn da nicht einmal ein Lercherlschas weht.) Genau so löst man das Problem. (Wenn man beim IQ-Test durchfallen will.) Tja, nur ein kleiner Schritt für ein Post-it, aber ein riesiger Sprung in meiner Schüssel.




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Kunstsinnig, Meinung, Glossen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 17:26:03


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