• vom 20.04.2012, 15:48 Uhr

Glossen

Update: 20.04.2012, 18:41 Uhr
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Glossenhauer

Gratis und umsonst


Von Severin Groebner

  • Wenn man etwas geschenkt bekommt, ist das nicht immer nur eine Freude.
  • Erst recht nicht auf der Straße.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

In Deutschland wurde letzte Woche, wie auch in Klagenfurt (warum ausgerechnet in Klagenfurt? Weil wilde Bergvölker gern zu Extremen neigen?), von Salafisten eine Ausgabe des Koran verteilt. Gratis. Rechtgläubigkeit to-go, nennt das der Starbucks-Konsument, glaub ich. Das hat die deutsche Öffentlichkeit ziemlich beschäftigt.

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Interviews mit Islamwissenschaftern, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime und allerlei Kommentare über Religionsfreiheit und Demokratie und wer was aushalten muss, kann oder soll, wurden publiziert. Sowie natürlich auch zahlreiche Reportagen über die Salafisten, wie sie sind, was sie denken, was sie zum Frühstück essen und was ihre Lieblingsvorabendserie ist. Anders gesagt: Die Salafisten hatten eine derartige PR, dass sich schon Günter Grass überlegt haben muss, ob er sich nicht demnächst selbst in die Fußgängerzone stellt und die "Blechtrommel" verteilt, wenn das mit den Gedichten nicht mehr klappen sollte.

Ich war an dem Tag in Deutschland. In Nürnberg. Salafisten hab ich dort keine gesehen, dafür mindestens drei Stände von evangelikalen Christen, die die Bibel verteilten. Auch gratis. Sie nannten es "das lebendige Buch". Ich wollte schon fragen, ob man es jetzt füttern muss und mit ihm Gassi gehen. Hab es aber dann doch gelassen.

Stattdessen hab ich mir gedacht, ob es nicht besser wäre, wenn es Menschen gäbe, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite gratis das deutsche Grundgesetz oder die Erklärung der Menschenrechte verteilten. Oder wenigstens Grimms Märchen.

Aber vielleicht war das ja auch gut so, dass das keiner gemacht hat. Wer liest schon die Dinge, die er ungefragt in die Hand gedrückt bekommt? Oder nach Hause geschickt. All diese täglich einlangenden Werbungen und Postwurfsendungen, zum Beispiel. Die schaut man doch auch nur einmal an, sagt sich: "So ein Blödsinn!" und wirft sie dann weg. Nicht nur die von der FPÖ. Die anderen auch.

Das würde ich im Übrigen gern auch in meinem Kopf können. Gezieltes Löschen. Wie auf meinem Desktop, auch in meinem Hirnkastl einen Papierkorb für unverlangte, aber gratis eingegangene Informationen. Und das sind ja einige. Nein, stimmt nicht: die meisten.

Bodenseer fordert die Todesstrafe? Ab in den Papierkorb! Käsekrainer heißt jetzt Käsegriller? Weg damit! Die wichtigsten Prominenten, die zum Life-Ball anreisen? Dagegen war die Käsekrainer ja noch interessant . . . und tschau! Der Deutsche Hit-Mix jetzt auf 4 CDs, nur hier und nicht im Handel erhältlich! Reiner Mist, also in die Biomülltonne. Der "Dr.-Karl-Lueger-Ring" wird in "Universitäts-Ring" umbenannt? Und ... was?! Das ist ja zu schön, um wahr zu sein! Na, das merke ich mir.

Selten, aber doch, ist also auch was Bemerkenswertes dabei. Ansonsten gilt der alte Spruch "was nichts kostet, ist nichts wert". Man stelle sich bloß vor, es gäbe eine Tageszeitung, die nichts kosten würde. Die würde doch keiner ernst nehmen!

Naja, ich hoffe, Sie haben zumindest die Ausgabe dieser Zeitung bezahlt. Sonst wäre ja auch diese ganze Kolumne umsonst. Und dann auch noch gratis!




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-20 15:53:08
Letzte Änderung am 2012-04-20 18:41:03


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