• vom 23.04.2012, 17:02 Uhr

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Update: 23.04.2012, 17:45 Uhr
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Sprachschätze

Alles in schönster Ordnung


Von Hilde Weiss

  • Attraktiv, abscheulich, schick, scheußlich: Was ist schön, was hässlich?
  • Auch aus Sicht des Vokabulars lässt sich dazu noch einiges anmerken.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Schön und gut, das sind ja schöne Aussichten: Das Schöne, "das Ansehnliche", kommt vom germanischen Adjektiv skauni für schön, anmutig und dieses vom Schauen, eng verwandt mit dem Schonen, "schön behandeln", und schon, "schön", das aus Bedeutungen wie "schön fertig" (schon fertig) entstanden ist. Das Ästhetische, "das Wahrnehmbare", kommt vom griechischen Verb aisthánesthai für wahrnehmen, empfinden, eng verwandt mit der Anästhesie. Und die Attraktivität ist dem lateinischen Verb attrahere für anziehen, "an sich ziehen", zu verdanken, eng verwandt mit dem Porträt (von protrahere für hervorziehen, ans Licht bringen, offenbaren).

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In der Eleganz steckt das lateinische Verb eligere für auswählen, auslesen, eng verwandt mit der Elite, "der Auserwählten". Das Hübsche, "das Höf’sche", von mittelhochdeutschen Adjektiven wie höfsch und hövisch, ist eine Lehnübersetzung des altfranzösischen Adjektivs courtois. Und das Aparte geht über den französischen Begriff à part (für beiseite, gesondert, besonders) auf das lateinische Wort pars für Teil, Anteil zurück, eng verwandt mit der Partie, der Partei und der Party, "dem Anteil" (an Personen).

Fesch, das kommt vom englischen Adjektiv fashionable und dieses wie die Perfektion vom lateinischen Verb facere für machen, tun. Der Schick kommt, beeinflusst vom französischen Chic, vom alten Begriff sich schicken für sich fügen, ordnen - eng verwandt mit dem Schicklichen, "das sich fügt". Und das Adrette geht über das französische Adjektiv adroit für geschickt, gewandt, richtig auf das lateinische Verb dirigere für gerade richten, ausrichten zurück, eng verwandt mit der Direktheit, "gerade ausgerichtet".

Der Charme geht auf das lateinische Wort carmen für Gesang, Spruch, Zauberspruch zurück, eng verwandt mit dem Chanson und der Kantate. Berückend? Das war ursprünglich ein Jagdbegriff dafür, ein Netz über ein Tier zu werfen - ruckartig. Entzückend, "entziehend" (vom Ziehen im Sinn von wegziehen, wegreißen). Betörend, "zum Toren machend".

Es geht aber auch anders und oft ist der Weg dorthin nicht sehr weit: So beim Scheußlichen, "dem Abscheulichen", vom mittelhochdeutschen Verb schiuzen für Abscheu empfinden, in dem das Scheuen steckt, eng verwandt mit dem Scheusal, "vor dem man zurückscheut", mit dem Scheuchen, "dem Scheumachen", dem Einschüchtern, "dem Verscheuchen", und dem Verabscheuen, "dem Zurückscheuen".

Das Hässliche kommt vom germanischen Adjektiv hateslika für Hass erregend, verhasst, gehässig. Das Grässliche geht auf das althochdeutsche Adjektiv grazzo für wütend, zornig zurück. Im Schäbigen, "dem Abgeschabten", steckt das Schaben und der alte Begriff Schabe für Krätze. Das Garstige kommt vom althochdeutschen Wort gersti für Hass, Groll und vom mittelhochdeutschen Adjektiv garst für ranzig, verdorben. Grausig? Das kommt vom althochdeutschen Verb gruen für schaudern, eng verwandt mit dem Gräuel, dem Grausamen, dem Grauenhaften, dem Gruseln und dem Vergraulen.




Schlagwörter

Linguistik, Weiss, Sprache

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-23 17:08:04
Letzte Änderung am 2012-04-23 17:45:28


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