Ordnung ist das halbe Leben, sagt das Sprichwort. "Halte Ordnung, liebe sie - Ordnung spart dir Zeit und Müh", hat meine Oma mir vor mittlerweile 20 Jahren ins Stammbuch geschrieben.
Ja, eh. Natürlich hilft Ordnung beim Zeitsparen. Aber es ist halt nicht so einfach mit dem Beibehalten. Denn habe ich mir einmal ein Herz gefasst und meinen Schreibtisch aufgeräumt, ist er kurz darauf schon wieder mit lauter Papieren überflutet. Das ist irgendwie systemimmanent. Was bei Diäten der Jojo-Effekt, ist bei mir eine zyklische Entwicklung aus Überfüllung und Leerung: Werden es zu viele Papiere, greife ich rigoros durch, schaue mir an, was da vor meiner Tastatur herumkugelt, und was ich sicher nie wieder brauchen werde, wandert in die Rundablage links hinter mir (also ins Altpapier).
Mein großes Glück ist, dass in Zeiten von Internet, E-Mail und Netzwerk-Cloud-Computing der anfallende Papierkram immer geringer wird. Insofern schaut es auf meinem Schreibtisch jetzt eh schon viel aufgeräumter aus als früher.
Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken: Das Problem hat sich eigentlich bloß verlagert, und zwar von der analogen in die virtuelle Welt. Denn statt Papiere umzuschlichten muss ich mich eben durch hunderte Ordner durchklicken. Dieses Chaos sehe aber wenigstens nur ich und sonst niemand . . .
Artikel erschienen am 27. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3
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