
Er blickt auf dem Foto desperat nach oben, wie wenn er etwas angestellt hätte. Darüber der Satz: "Das hätte ich mir wirklich sparen können!" Viele werden sich am vergangenen Sonntag beim Blick auf die Titelseite der "Krone" die Augen gerieben haben.
Was war geschehen?
Die "Krone" formulierte es so: "Aufregung bei ,Dancing Stars". ORF-Moderator Klaus Eberhartinger machte Freitagabend Bemerkungen zu Hitlers Geburtstag, die auch viele "Krone"-Leser als geschmacklos empfanden. Jetzt entschuldigt sich der Entertainer: "Ich wollte von niemandem die Gefühle verletzen."
Es war ein Freitagabend im ORF-Ballsaal. Schlagersänger Marco Ventre war gerade von Juror Nedbal kritisiert worden, er solle beim Tanzen mehr Führungsstärke zeigen. Das veranlasste Eberhartinger zu dem Kommentar: "Ich hab mir gedacht: Was hat der Nedbal? Dabei ist mir aufgefallen, heute ist der 20. April!" - und er untermalte die Anspielung auf Hitlers Geburtstag mit einem schnarrenden "Du musst mehrrr Fühhrrungsstärrke zeigen!".
Anschließend erfahren wir, dass sich Eberhartinger gegenüber der "Krone" für seinen "Ausrutscher" entschuldigt hat: "Es war eine kabarettistische Überhöhung , aber jedenfalls eine völlig unnötige Bemerkung, die man sich hätte sparen können."
Und weiter: "Ich will mich bei allen, deren Gefühle ich verletzt habe, entschuldigen, ich wollte niemanden beleidigen."
Nach meinem Gefühl müsste sich Eberhartinger vor allem dafür entschuldigen, dass er einen schlecht funktionierenden Scherz gemacht hat.
Wer denkt heute beim Datum 20. April sofort an Hitlers Geburtstag? Außerdem stellt Eberhartinger einen Zusammenhang zwischen "dem Führer im Dritten Reich" und "dem Führen am Tanzparkett" her - untermalt mit der schnarrenden Stimme Adolf Hitlers.
Wo ist da der Witz?
Ich kenne Hitlers Stimme so wie Eberhartinger nur aus Fernsehdokumentationen.
Eberhartinger ist 1950 geboren, er ist also nur zwei Jahre älter als ich. Allerdings ist er in Braunau am Inn aufgewachsen, also in Hitlers Geburtsort, und dort war, wie er sagt, dieses Datum "immer irgendwie gegenwärtig".
Wir wollen es ihm glauben.
Auch die "Krone" schreibt: "Wer ihn kennt, der weiß, dass er ein aufrechter Anti-Faschist ist." Dennoch: Der Moderator einer Hauptabendsendung sollte solche Scherze unterlassen. Nur in den Comedy-Sendungen des Spätabendprogramms ist nahezu alles erlaubt.
Auffällig ist die Berichterstattung der "Krone".
Wir erinnern uns: Am 20. April 1994 und am 20. April 2001 hat dort ein Wolf Martin Gedichte "in den Wind gereimt", die von vielen Lesern als Anspielungen auf Hitlers Geburtstag verstanden wurden. Ob der junge Chefredakteur nach Wolf Martins Tod einen demonstrativen Akt setzen wollte? Nach dem Motto: Schaut her, wir sind anders!
Je deutlicher sich die Welt in Richtung Wahnsinn dreht, desto öfter denken manche Menschen nach. Und zwar nicht nur in einschlägigen Zirkeln...weiter