• vom 27.04.2012, 13:00 Uhr

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fauna & flora

Unter Raubtieren


Von Stefanie Holzer

Was meine Katzen anlangt, habe ich mich stets bemüht, ihnen so weit wie möglich eine "artgerechte" Unterbringung zu gewährleisten. Lili und Maxi sollen wenigstens manche ihrer angeborenen Verhaltensweisen ausüben können. Doch es hilft kein Herumreden: Wenn man keine Katzenzucht betreiben will, ist es mit der Artgerechtheit nicht weit her. Im Sommerhalbjahr allerdings, das zu Ostern beginnt und zu Allerheiligen endet, haben meine Katzen mehr Gelegenheit, ihre "Natur" auszuleben, denn diese Zeit verbringen wir auf dem Lande.

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Ich habe es all die Jahre toleriert, dass insbesondere Lili ganze und halbe Mäuse, Mäuseschwänze, -köpfe, -innereien und ziemlich viel Mäuseblut auf dem Teppich vor meinem Bett hinterließ. Denn so ist die Art der Katzen. Ich bin auch nicht eingeschritten, wenn sie die Mäuse vor deren sicherem Tod noch ordentlich triezten. Die Mäuse schrien und Lili schnurrte manchmal vor Vergnügen, während die Mäuse in Todesangst Harn ließen.

Katzen sind Raubtiere. Mit ihrer Grausamkeit gegen Mäuse muss der Katzenhalter leben. Doch seit ein paar Tagen stehe ich vor einer neuen Situation: Lili und Maxi belieben neuerdings, lebendige Mäuse in meinem Schlafzimmer auszusetzen und sie dort tagelang zu ihrem Vergnügen zu halten. So weste eine Maus zwei Tage lang zwischen Matratze und Lattenrost. Ich schlief sozusagen nicht auf der Erbse, sondern auf der Maus. Da ich keine Prinzessin bin, spürte ich zwar nichts, aber der bloße Gedanke störte mich. Ich hob also die Matratze vom Rost, um den Katzen Zugang zu ihrer Beute zu verschaffen. Vergebens, denn Lili und Maxi hatten nicht nur keine Lust, die Maus zu töten, sie geruhten nicht einmal, sie zu fangen. Also nahm ich selber ein Tuch, haschte nach dem erschöpften Vieh und warf es beim Fenster hinaus.

Zwei Tage später bekam ich, obwohl ich beim Anblick einer Maus nicht hysterisch werde, doch einen kurzen Anfall von Nervosität, als ich unter meinem Nachtkästchen links und rechts einen Mäuseschwanz herausragen sah. Ich hob das Kästchen an, allein meine Katzen machten wieder keine Anstalten, die Mäuse ihrem artspezifischen Ende zuzuführen. Also fing ich die Tiere mit Gartenhandschuhen selbst und expedierte sie hinaus.

In diesem Moment beschloss ich, darüber nachzudenken, wie ich meine eigene artgerechte Unterbringung sicherstellen könnte: Ich will weder auf Mäusen schlafen, noch will ich sie fangen. Also habe ich die Katzen erfolgreich aus meinem Schlafzimmer ausgesperrt. Sie haben am Fenster gerüttelt und laut gemaunzt. Doch ich blieb hart. Wie ich allerdings bei offenem Fenster schlafen kann, muss ich mir noch überlegen. Ich werde mich wohl hinter Gitter begeben müssen.

Stefanie Holzer,geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.




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Extra, Fauna&Flora

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Dokument erstellt am 2012-04-26 16:44:03


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