
Warum die Südoststeirer keine Vulkanländer sein wollen, ist nicht verständlich. Warp-Kernöl-Antrieb und Spitz-Ohren-Zwieback wären den mit Sicherheit aus ganz Europa heranströmenden Star-Trek-Fans gut zu verkaufen gewesen. Slogans wie "Hier gibt’s den Speck vom Spock!" oder "Wo selbst die Klingonen wanken aus die Buschenschank’n" hätten das Zielpublikum auf direktem Wege mit den regionalen Erzeugnissen vertraut gemacht. Aber nein. "Südoststeiermark" soll das neue Verwaltungsgebilde nun heißen.
Und das ist traurig.
Denn leider ist der Verwaltung in Österreich jegliche Poesie verboten.
Das war nicht immer so. Das "Burgenland" ist beispielsweise eine rein beamtliche Schöpfung, die aus dem mit Heurigen, Neusiedlersee und allerlei Pendlern ausreichend angefülltem "Deutsch-West-Ungarn" vor mehr als neunzig Jahren ein eigenes Bundesland gemacht hat. Und da fühlen sich mittlerweile sowohl adelige Waffenhändler als auch amerikanische Privatarmeebesitzer wohl. Wenn das kein Beweis ist für die anziehende Kraft der Wortschöpfung? Warum also nicht auch größere sprachliche Entwürfe wagen?
Ganz ehrlich: Würde diese Republik nicht anders aussehen, ließe man der poetischen Ader der Beamten freien Lauf?
Warum sollte man nicht Bezirke zusammenlegen, die übereinstimmende Inhalte anzubieten haben? Sagen wir mal den Bezirk Bruck an der Mur (mit Maria Zell) und St. Veit an der Glan (mit dem Kloster Gurk): Da wäre doch ein katholisch-wohlfeiles und kommerziell-wertvolles Verwaltungsgebilde wie "Maria Gurk" denkbar. Oder ließen sich nicht Bezirke wie Braunau und Wien-Donaustadt ohne Probleme zu "Braunstadt" fusionieren? Und wie wär’s, wenn die letzten, schwer umkämpften, verbliebenen Hochburgen der Sozialdemokraten, also Simmering und Köflach, zu "Simmer-Flach" verschmelzen würden?
Eine kakanische Verwaltungsreformlyrik würde sich ihre Bahn brechen. Heimatsnamen, die auch die Lebenswirklichkeit der örtlichen Bevölkerung widerspiegeln, wären plötzlich denkbar: "Durchhatzn" fürs untere Inntal? "Fast-beim-Zahnarzt" für den Bezirk Eisenstadt? Oder "Chai-Latte-Outback" (kurz: CLO) für das Karmeliterviertel?
Natürlich klingt das jetzt zunächst banal, aber ein Blick in den lesenswerten "Atlas der wahren Namen" (Carlsen Verlag) lässt einen doch klarer sehen: So bedeutet doch der Name Wien "Waldbach", die Mur heißt eigentlich "Sumpfwasser", Leoben "die Freundliche" (allerdings betrifft das nur die Menschen, die einer Burschenschaft angehören, alle anderen haben ein unfreundliches Problem) und St. Pölten ist die Stadt des "Heiligen Pferdebefreiers", womit auch Erwin Pröll als ausgewiesener Karl-May-Fan seine wild-westerliche Freude daran haben dürfte.
Es war also nicht immer so freud- & farblos wie heute.
Aber natürlich ist das nur reine Spinnerei. Denn diese Art von Ortsnamen-Poesie wird stets verhindert von Menschen, die ihre Kinder ungestraft Kevin-Justin-Maurice-Noa-Zoe-Ayleen nennen dürfen.
Sommertheater lässt sich als Phänomen entgegengesetzter Pole beschreiben: einerseits als Gipfeltreffen von Branchenstars und Hochkultur-Adabeis -...weiter