• vom 04.05.2012, 09:00 Uhr

Glossen

  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Abstand


Von Christian Hoffmann

Unlängst fahre ich mit der U-Bahn. Neben mir eine Reisende mit Rucksack, der gerade so hoch sitzt, dass er, als sich die Unbekannte umdreht, einen Treffer in meiner Magengrube landet. Geschickt ausweichen wie seinerzeit Muhammed Ali kann ich auch nicht, da neben mir ein Mensch steht, der an etwas Unförmigem nuckelt, das ein Hamburger sein könnte und ich bei nur einer einzigen falschen Bewegung ihm einen beträchtlichen Anteil seines Ketchups wegtunken würde, wonach ich vermutlich aussähe wie ein Gespenst, das den Tiefen der U-Bahn-Schächte entgestiegen ist. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an die Haltestange vor mir zu klammern, während der Zug durch die letzte Kurve vor der nächsten, der erlösenden Station schaukelt.

Werbung

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin kein Menschenfeind und ich kann auch körperliche Nähe angenehm finden. Aber manchmal sehnt man sich doch nach ein wenig Abstand. Wenn man bedenkt, dass die Erdoberfläche zu mehr als 70 Prozent aus Meer besteht und die Menschen auch einen großen Teil von den restlichen 29 Prozent nicht bewohnen, sondern sich auf einer viel geringeren Fläche zusammendrängen, dann müssen sich ja die Fische im Ozean krumm und dumm lachen, sofern sie sich natürlich überhaupt eine Fahrt mit der U-Bahn zur Stoßzeit vorstellen können.

Artikel erschienen am 4. Mai 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3



1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-30 14:08:04


Beliebte Inhalte



Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Wenn diesen Samstag die Deutschen das Champions-League-Finale und die Wiener den Life Ball feiern, dann ist das im Prinzip das Gleiche.
  • weiter

  • Kann man bei einem Burnout manchmal nur noch den Kammerjäger holen, weil dieses Krabbeln und Kriechen in der Wohnung einfach unhygienisch ist?
  • weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Das Champions-League-Endspiel wirft seine Schatten voraus. Deutsche Medien werben mit peinlichen Slogans um Zuseher, Kommentatoren feilen an Pointen.
  • weiter


- - - Golf emanzipiert sich zunehmend von seinem Ruf, ein Hobby für Reiche zu sein. Manche Snobs mögen das als bedenkliche Entwicklung sehen...weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Hier handelt es sich um zwei Begriffe mit leicht divergierenden Bedeutungen, wobei Shoah immer häufiger verwendet wird.
  • weiter

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Österreich hat es gut! Wer es nicht glaubt, möge den Vizekanzler fragen oder in die Zeitung schauen.
  • weiter



Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung