• vom 04.05.2012, 09:00 Uhr

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Ehrlich Lügen


Von Peter Krobath

Aus aktuellem Anlass habe ich eben einem deutschen Bekannten erklärt, wie bei uns die Unschuldsvermutung funktioniert. Der kannte das Wort nämlich gar nicht. Und konnte sich gar nicht einkriegen vor Lachen über diese supersaubere Einrichtung, mit der wir daheim für klare Verhältnisse sorgen, aber im Ausland schon wieder wie die Deppen dastehen. "Mehr Schlawiner als Wiener" heißt es dann gleich, und ehrlich, ich kann das nicht mehr hören.

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Lassen wir die Kirche doch im Dorf: Irgendwann einmal im Leben kommt jeder Mann (und wohl wahrscheinlich auch jede Frau, aber beim anderen Geschlecht kenne ich mich nicht so gut aus wie beim eigenen) zum Moment, wo er die Wahrheit sagen muss. Das kann im Ehebett passieren, leicht aber zum Beispiel auch vor einem Untersuchungsausschuss. In so einem Fall, und diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern vom großen Lebenskünstler Ferenc Molnar, in so einem verzwickten Fall hilft nur noch eines: Lügen. Lügen. Lügen.

Stimmt eh. Nur leider, und das wurde in den letzten Wochen wieder massiv vorgeführt, haben wir Österreicher nicht nur beim Fußball kein Leiberl. Beim Lügen sind wir auch nicht gerade Weltmeister. Vor einem Ausschuss gerade nicht die Wahrheit zu sagen, ist zu wenig. Man muss schon so lügen, dass einem die Welt auch wirklich glaubt. Somit als kleiner Service an die Nation eine Anleitung, die ich im Internet gefunden habe: Wie trickse ich einen Lügendetektor aus?

1. Wer von Beginn an schnell und heftig atmet, wird sich damit später, wenn es aus purer Nervosität geschieht, nicht weiter verdächtig machen.

2. Jedes Anzeichen von Angst vermeiden.

3. Augenkontakt zum Untersucher halten. Still sitzen, keine Bewegungen. Trotzdem immer wieder unauffällig kleinste Körperzuckungen einbauen. Soll ja nicht zu gestellt wirken.

4. Positiv denken. Totale Entspannung ist das Ziel. Gar nicht erst versuchen, zu überlegen, welche Fragen kommen könnten. Die Fragen sind egal. Es geht um die Antworten. Und die hast du eh im Kopf.

5. Verwirrung stiften. Bei Fragen, auf die man ohne Gefahr wahrheitsgetreu antworten kann, einen leicht verwirrten Eindruck vermitteln. So zeigen deren Notizen nicht nur Stress an, wenn du lügst, sondern auch dann, wenn du die Wahrheit sprichst.

6. Es geht nicht um die Maschine. Es geht um den Menschen, der dir gegenübersitzt. Der deutet die Daten, die aus der Maschine kommen. Und den kann man austricksen.

Artikel erschienen am 4. Mai 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 47



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Dokument erstellt am 2012-04-30 14:08:06


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