Die Medien haben schon im Frühling ihr Sommerthema. Ist es in Ordnung, dass auf den Speisekarten der österreichischen Gastronomiebetriebe ein Gericht mit der Bezeichnung Mohr im Hemd steht? SOS-Mitmensch hat an die Wirtschaftskammer appelliert, und diese lässt eifrig nach Alternativen suchen. Schokohupf oder Kuchen mit Schokoguss werden als Ersatzbegriffe genannt.

Grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass man die Bezeichnungen von Speisen in Frage stellen darf. Ich bin gegen Komposita mit dem Wort Neger, das ja mit dem Schimpfwort Nigger in einem Zusammenhang steht. In Deutschland gab es lange Zeit einen Negerkuss zu kaufen, das ist das, was wir Schwedenbombe nennen. Inzwischen ist der Begriff geächtet. Gut so. Als ich klein war, konnte man ein Neger-Eis bestellen, da wurde eine Schokoladesauce über die Eiskugeln gegossen. Auch Negerschnitten gehören inzwischen der Vergangenheit an.
Ganz anders schätze ich das Wort Mohr ein - ursprünglich "der Maure". Es wird in der Alltagskommunikation nicht mehr verwendet, hat nur historischen Wert. Dass es als Schimpfwort missbraucht wird, schließe ich aus. Für meinen Geschmack gibt es keinen Grund, die Bezeichnung Mohr im Hemd zu ächten.
Inzwischen wissen wir auch: Die Einteilung der Menschen in Schwarze, Gelbe, Weiße etc. ist mit den Erkenntnissen der Molekularbiologie und Populationsgenetik nicht vereinbar. Die genetischen Unterschiede innerhalb einer sogenannten Rasse sind größer als zwischen den verschiedenen Rassen.
Außerdem hat sich die Menschheit so stark vermischt, dass wir bestimmte Individuen in das überkommene System gar nicht einordnen können. Der US-amerikanische Profigolfer Tiger Woods hat Vorfahren afroamerikanischer, indianischer, chinesischer, thailändischer und niederländischer Herkunft. Mit welcher Berechtigung bezeichnen wir ihn als Schwarzen?
Der in Wien geborene Fußballer David Alaba, bei Bayern München inzwischen ein Stammspieler, hat einen nigerianischen Vater und eine philippinische Mutter. In welche Schublade sollen wir ihn stecken?
Wichtig wäre es, dass niemand wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wird. Wer gegen die Bezeichnung Mohr im Hemd Sturm läuft, der erreicht das Gegenteil von dem, was er beabsichtigt; er perpetuiert das Schubladendenken, tut so, wie wenn Schwarze, Gelbe und Weiße unterscheidbar wären.
Zum Abschluss eine Anekdote, in deren Mittelpunkt der 19-jährige Alaba steht. Bayern-Chef Uli Hoeneß erzählt: "Vor einiger Zeit spreche ich David darauf an, dass er abends öfter mit Franck (Ribéry) im ,Hugos feiert - eine Nobelpizzeria in München. Wissen Sie, was er darauf gesagt hat? ,Präsident! Da muaß er mid an andern Schwoazzn unterwegs sein."
Zugegeben: Alaba kann lässig so formulieren, er hat es geschafft, er ist als junger Fußballstar überall ein willkommener Gast. Über kurz oder lang wird er auch in Werbespots auftreten. Andere, die ähnlich aussehen wie er, sind in manchen Lokalen unerwünscht.
Je deutlicher sich die Welt in Richtung Wahnsinn dreht, desto öfter denken manche Menschen nach. Und zwar nicht nur in einschlägigen Zirkeln...weiter