
"No Sports" sagte angeblich Winston Churchill auf die Frage, wie man ein angenehmes Leben führt. Heute dagegen: Überall sind die Menschen am Laufen, Radeln, Schwimmen, Tretbootfahren oder Schachspielen. Und dazu tragen sie auch meist angeblich atmungsaktives Gewand in Farben und Schnittmustern, die ihre Intimfeinde entworfen haben (außer den Schachspielern). Das Resultat ist ein Bild, das an freilaufende Knackwürste erinnert, die von Attersee gestaltet worden sind. Aber wenigstens tun sie sonst niemandem weh dabei.
Und das ist ja schon was.
Der Formel-Eins-Grand-Prix, also die Weltmeisterschaft der Sehr-schnell-im-Kreis-Fahrenden, hat dagegen ja kürzlich in Bahrein Halt gemacht. Alles war so wie immer: Heulende Motoren, die Luft voll Feinstaub, Blei und Testosteron, junge Damen mit kaum ’was an und Champagner-Dusche zum Schluss. Und diesmal neu: von der Polizei niedergeknüppelte Oppositionelle. Angesprochen darauf meinte der regierende Welt-
meister des Red-Bull-Teams, die Berichterstattung würde einen "Hype" aus den politischen Ereignissen machen. So schaut’s aus! Endlich sagt das ’mal einer! Der arabische Frühling ist nichts als ein Hype! Genau!
Nimmt eigentlich die Gehirnmasse, wenn sie ständig bei hohen Geschwindigkeiten über den Asphalt gehetzt wird, langfristig Schaden? Noch dazu, wenn es so heiß ist wie in Bahrein?
Aber an Boykott mochte keiner denken. Schon gar nicht der sympathische Herr Ecclestone, der die kunstbeflissene Motorsportwelt seit Jahren mit seiner Andy-Warhol-Parodie bei Laune hält.
Auch andere Grand Prix’ haben’s nicht leicht. Die Veranstaltung, die sich der rhythmischen Sport-Gymnastik in geschmackfreien Kostümen widmet, der Eurovision Song Contest also, macht dieses Jahr Baku unsicher. Die Hauptstadt des schönen Aserbaidschan. Ein Land, das sich bisher in Sachen Menschenrechte und Demokratie vornehm zurückgehalten hat, was der Erdöl- und Erdgasproduktion förderlich ist. Und auch hier wollte keiner der Teilnehmer an Boykott denken. Warum auch? Wir wackeln mit dem Popo, nicht-gewinnen können wir auch, wenn wir mitmachen, und Charakter ist etwas für Rollenspieler.
Lang ist es her, dass der Westen (also die sogenannte "Wertegemeinschaft", nicht die Vorarlberger) die Olympiade in Moskau boykottiert hat, wegen des Einmarsches in Afghanistan. Jetzt steht der Westen selbst in Afghanistan und sogar die Olympiade in Peking war kein Problem. Insofern freu’ ich mich schon auf die Leichtathletik-WM in Somalia, Formel-Eins in Nigeria, Olympiade in Nordkorea und die Fußball-WM in Katar . . .
Oh, hoppala.
Aber halt! Hat nicht gerade die österreichische Regierung ein Zeichen gesetzt, dem sogar die EU-Kommission gefolgt ist? Denn keines unserer Regierungsmitglieder wird sich ein Spiel der EM in der Ukraine anschauen. Das ist ein Statement! Oder sie wollten auch nur nicht sehen, wie gut andere Nationen kicken können.
Wie auch immer: No Sports!
Jeder, der Filme mag, kennt das Gesicht von Harrison Ford, Michelle Pfeiffer und vielen anderen mehr. Und er kennt die Stimmen der Schauspieler...weiter