• vom 08.05.2012, 14:52 Uhr

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Update: 08.05.2012, 16:06 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Tschechei und Slowakien - zwei irritierende Namen


Von Robert Sedlaczek

  • Als unser nördliches und östliches Nachbarland noch Tschechoslowakei hieß, war alles ganz einfach. Seit der Aufspaltung herrscht eine Unsicherheit.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache.  Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Wie sollen wir diese zwei Länder bezeichnen? "Wiener Zeitung"-Leser Volker Derschmidt weist mich darauf hin, dass noch in den 1990er Jahren in manchen Zeitungen Slowakien statt Slowakei zu lesen war, zum Beispiel in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Das Land mit der Hauptstadt Bratislava (Pressburg) müsse aber Slowakei heißen, daran führe kein Weg vorbei. Da hat er recht.

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Gleichzeitig stellt der Leser die Frage, ob nicht das Land mit der Hauptstadt Prag besser Tschechei heißen solle, statt wie heute üblich Tschechien. Tschechei und Tscheche, das passt für ihn gut zusammen, wie Türkei und Türke, Mongolei und Mongole, Lombardei und Lombarde. Einen Einwohner Tschechiens müsste man hingegen konsequentermaßen "Tschechier" nennen.

Beginnen wir mit Slowakien. Wird dieser Name wirklich in einem nennenswerten Umfang verwendet? Im Internet findet man zahlreiche Belege - vor allem auf privaten Websites, aber nicht nur dort. Auf shell.at sind Länder mit Straßenmaut aufgelistet, darunter auch "Slowakien". Aber es kommt noch besser. Ein Portal für Hochschulbildung, erreichbar unter mba-masterstudien.com, bietet ein Masterstudium in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft & Verwaltung in Slowakien an. Die falsche Bezeichnung Slowakien ist also weiter verbreitet, als ich geglaubt habe. Ist das eine Anlehnung an Tschechien?

Damit sind wir bei der zweiten Frage angelangt, nämlich ob Tschechei oder Tschechien der bessere Name ist. Letztlich entscheiden Politiker und Diplomaten darüber, wie ihr Land in einer fremden Sprache bezeichnet werden soll. In bilateralen und multilateralen Kontakten erstellen sie ein "Verzeichnis der Staatennamen für den amtlichen Gebrauch". Dort kann man lesen: "In völkerrechtlichen Verträgen, in Urkunden und dergleichen ist ausschließlich die amtliche Vollform Tschechische Republik zu verwenden. In Gebrauchstexten ist hingegen die nichtamtliche Bezeichnung Tschechien zulässig." Der Umkehrschluss: Tschechei ist eine nicht zulässige Bezeichnung.

Dabei hat der Name Tschechei Tradition. Er ist seit Bildung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 in Gebrauch, meist als Kurzform für das gesamte Land. Die Namensgebung ist in Anlehnung an Ländernamen wie Türkei erfolgt, auch da hat der "Wiener Zeitung"-Leser recht. Gleichzeitig ist der ältere Begriff Tschechien nahezu vollständig außer Gebrauch gekommen, sodass er heute von vielen als Neuschöpfung empfunden wird. Ein Dilemma.

Aber entscheidend ist eines: Der Name Tschechei besitzt für geschichtsbewusste Tschechen einen negativen Klang - wegen der Verwendung im NS-Sprachgebrauch. Die "Zerschlagung der Rest-Tschechei" war nach der Diktion der NS-Propaganda eine militärische Operation, bei der deutsche Truppen am 15. und 16. März 1939 das restliche Staatsgebiet der Tschecho-Slowakischen Republik besetzten, worauf das Protektorat Böhmen und Mähren geschaffen wurde.

Akzeptieren wir also den Wunsch unserer Nachbarn: Tschechien, nicht Tschechei. Und natürlich Slowakei.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-08 14:56:04
Letzte Änderung am 2012-05-08 16:06:00


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