• vom 26.06.2012, 16:10 Uhr

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Update: 27.06.2012, 13:05 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Wo gibt es den Parkkleber?


Von Robert Sedlaczek

  • In Kürze startet in bestimmten Bereichen dreier Wiener Bezirke das Pilotprojekt Anrainerparken. Die sprachlichen Konfusionen sind prolongiert.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache.  Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Das Thema lässt mich nicht los. Vor einem halben Jahr habe ich an dieser Stelle über einen Plan von Vizebürgermeisterin Maria
Vassilakou zur Verbesserung der Parksituation in Wien berichtet. Die grüne Politikerin kündigte an, dass es in Bezirken innerhalb des Gürtels gekennzeichnete Zonen geben wird, in denen Bezirksbewohner, die ein Parkpickerl haben, ihr Auto abstellen dürfen. Die Zonen sollen mit Halte- und Parkverbotsschildern gekennzeichnet sein – mit der Zusatztafel "Ausgenommen . . .". Man nennt das eine negative Beschilderung.
Ich habe damals kritisiert, dass dieses Projekt als Anwohner-parken etikettiert wurde. Anwohner ist der in Deutschland übliche Ausdruck, in Österreich sagen wir Anrainer. Man sollte also dieses Vorhaben – so meinte ich – nicht Anwohnerparken, sondern Anrainerparken nennen.

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Das Pilotprojekt wird in Kürze in drei Bezirken starten. Die Magistratsbeamten waren einsichtig und sind von Anwohner auf Anrainer umgeschwenkt – das ist gut so. Was mir weniger gut gefällt: Es wird das Prinzip des Genderns angewandt, das Projekt heißt AnrainerInnenparken – mit dem hässlichen großen I in der Mitte des Wortes. Regelmäßige Leser dieser Kolumne werden wissen, dass mir Gendering auf die Nerven geht. Allerdings gehöre ich nicht zu jenen, die darin den Untergang des Abendlandes sehen. Wenn ein galanter Mann den Feministinnen eine Freude machen will, dann wird er sich entschließen, im öffentlichen Raum zu gendern. Die sprachlichen Konfusionen sind aber prolongiert.

Jetzt wird bekannt, wie die Zonen beschildert sein sollen. Es wird Halte- und Parkverbotsschilder mit Zusatztafeln geben, auf diesen wird stehen: "Ausgenommen Fahrzeuge mit Parkkleber für den . . . Bezirk sowie Behinderte". Ein Kleber ist ein Klebestoff. Es gibt Alleskleber, sie sind für so gut wie alle Werkstoffe geeignet. Außerdem scheint es auch Parkkleber zu geben, sie sind vermutlich extra für das AnrainerInnenparken entwickelt worden. Wahrscheinlich wird man uns in Durchführungsbestimmungen erklären, wo dieser Kleber erhältlich ist und was wir beim Parken mit ihm kleben sollen. Nein, der Ausdruck Parkkleber geht wirklich nicht, wir würden uns lächerlich machen. Entweder Parkaufkleber, das ist jenes Wort, das auch von Touristen, die der deutschen Sprache mächtig sind, verstanden wird. Oder Parkvignette – der zweite Wortbestandteil stammt aus dem Französischen, die ursprüngliche Bedeutung war Weinrankenornament, zurückgehend auf vigne (Weinrebe), also würde das Wort zu Wien passen.

Oder Parkpickerl, so nennen es die Wiener. In diesem Fall würde sich ein Ausländer beim Lesen der Zusatztafel zunächst die Augen reiben – "Parkpickerl? Was ist das?" – im nächsten Moment aber richtig kombinieren: "Was immer es sein mag, ich habe keines. Also darf ich hier nicht parken."



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-26 16:17:04
Letzte Änderung am 2012-06-27 13:05:30


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