• vom 29.06.2012, 16:45 Uhr

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Glossenhauer

Glücklich ist, wer vergisst


Von Severin Groebner

  • Womit beschäftigen wir uns eigentlich, wenn die Fußball-EM vorbei ist? Doch hoffentlich nicht mit uns.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

So. Nun ist es ja fast geschafft. Sonntagabend wird nur noch eine Nation hupen. Und feiern. Und laut - wie auch sinnfrei - ihren Namen durch den Nachthimmel brüllen.

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Das ist schön, macht Spaß und ist absolut (abgesehen von der Lautstärke) ohne Relevanz für das tatsächliche Leben.

Also ganz ähnlich wie etwa: Theater. Mit dem Unterschied, dass sich die Besucher im Theater selten in den Farben ihrer Mannschaft zeigen. Das liegt aber auch daran, dass es im Theater keinerlei Mannschaftskultur gibt. Hier gibt es noch einiges zu verbessern.

Während diverse Millionäre also einem Ball nachrennen (by the way: Das sind die einzigen Millionäre, die man auch mal schwitzen sieht), spucken unbemerkt die Nachrichten Meldungen aus. Etwa, dass der deutsche Verfassungsschutz kurz nach dem Auffliegen der Zwickauer-Terrorzelle mal lustig ein paar Akten (die Zwickauer-Terrorzelle betreffend) vernichtet hat. Schwupps. Weg sind sie. Braucht ja auch keiner mehr. Denn diese Akten hätten möglicherweise Verbindungen aufzeigen könne zu. ..ja, das weiß man eben nicht. Blöd. Mit Sicherheit hatten die drei Nazi-Mörder aber Verbindung zur NPD. Eine Partei, die sich auf Wahlplakaten als die "soziale Heimatpartei" feiert. Von irgendeiner österreichischen Partei kenn ich diesen Slogan. .. hab aber vergessen von welcher.

Ich bin ja vergesslich wie der Herr Mensdorff-Pouilly. Der weiß nicht einmal, was seine Frau beruflich macht. Wahrscheinlich, weil sie ihm für dafür keine Provision bezahlt. Im Gegensatz zu der Firma, die Atemschutzmasken in Österreich verkauft hat, deren Absatz wiederum vom Gesundheitsministerium garantiert wurde. Und Gesundheitsministerin war damals... ach, ich hab’s mensdorff-pouilliert... also: vergessen. Ist doch alles Schall und Rauch und Kallat.

Ahnungslosigkeit ist ja überhaupt das Gebot der Stunde. Man sehe sich nur Europa an. Merkel gegen Hollande, der Ball kommt rüber zu Rajoy, der passt rüber zu Monti und der schießt! Aber Jean-Claude Junker pfeift Abseits. Ein echtes Scheiß-Spiel.

Als Beobachter hat man das Gefühl, hier spielen die Lahmen gegen die Blinden, und wenn die einen sagen: "Beweg Dich!", kontern die anderen mit: "Schau einmal genau!"

Und wie beim echten Fußball blickt die Öffentlichkeit gebannt auf das Spielfeld. Und keiner fragt sich, wer das eigentlich alles finanziert. Denn das sind ja die "Finanzmärkte".

Ein undurchschaubares und nicht-verstehbares Konstrukt. Undurchdringbar, unerklärlich und - ja! - mystisch. Ein bisschen wie der liebe Gott. Also ganz ähnlich wie die

Fifa.

Doch immer wieder gibt es diese Agnostiker, die dann in einer ARD-Diskussionsrunde sagen: "Ersetzen Sie das Wort Finanzmärkte durch das Wort Vermögende und wir sind der Wahrheit ein Stückchen näher."

Böse Flanke. Vielleicht hohes Bein. Auf jeden Fall Rote Karte. So was wollen wir nicht sehen...äh... hören. Da schauen wir doch lieber guten, alten Fußball. Und wenn die EM vorbei ist, dann gibt’s Olympia. Und nachher . . . Na gut, gehen wir eben ins Theater.




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Dokument erstellt am 2012-06-29 16:50:04


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