
Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist mir sympathisch. Die Spieler sind jung, kombinations-freudig, fair - gar nicht so, wie wir die deutschen Fußballer jahrzehntelang gewohnt waren. Ich hätte ihnen den Titel gegönnt.
Aber es sollte nicht sein. Im Semifinale gegen Italien lagen sie schon zur Pause im Rückstand. Ich habe dann auf die ARD umgeschaltet, weil ich mir dachte, dort könnte es Stoff für eine Kolumne geben. So war es auch. In der Analyse nannte der ARD-Moderator Reinhold Beckmann die beiden italienischen Stürmer "Straßenköter". Was er gemeint hat, könnte man in der Fußballersprache so umschreiben: Die beiden tauchen unvermutet im Strafraum auf, ihre Laufwege sind unkonventionell.
In gewisser Weise war das wohl anerkennend gemeint, aber die Wirkung war verheerend. Ich glaube gar nicht, dass es sich um eine rassistische Bemerkung gehandelt hat - einer der beiden italienischen Stürmer ist Sohn ghanaischer Immigranten. Ich denke vielmehr daran, dass die deutsche Bundeskanzlerin gerade den Südeuropäern ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen zur Krisenbekämpfung aufzwingen will - auch mit Worten wie "Solange ich lebe..." wird das passieren, was ich will. Hinzu kommt, dass es sich viele Deutsche - um im Beckmannschen Bild zu bleiben - leisten können, ihre Vierbeiner mit teurem Dosenfutter zu verwöhnen, während im Süden Europas herrenlosen Hunde im Abfall nach Fressbarem suchen. Wobei Beckmann ja gewusst haben muss, was er anrichtet. Erst vor einem halben Jahr hatte der Präsident des FC Augsburg den Spieler einer gegnerischen Mannschaft als "Straßenköter" bezeichnet. Damals war ein deutscher Spieler gemeint. Die Proteste waren heftig, der Funktionär musste sich entschuldigen. Um wie viel schlimmer ist der Ausdruck, wenn es um zwei Italiener geht - der eine ist in Bari geboren, der andere in Palermo.
Gefallen hat mir in der Halbzeitpause die Verabschiedung des Moderators der "Tagesthemen". Aussehen und Name verrieten, dass er italienischer Herkunft ist. Er sagte: "Und beenden möchte ich diese ,Tagesthemen‘ - aus gegebenem und persönlichem Anlass - mit den Worten des italienischen Dichterfürsten Dante: ,Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens.‘ Ich weiß nicht, was Ihnen mein Gesicht jetzt verrät, aber seien Sie versichert, dass ich innerlich ziemlich zerrissen bin. In diesem Sinne: Che vinca il migliore! Möge der Bessere gewinnen!"
Zu diesem Zeitpunkt war die Niederlage der Deutschen noch nicht besiegelt. Ein Spielerwechsel hätte den Umschwung bringen können. Dennoch: Die Proteste waren so massiv, dass die ARD auf ihrer Website den entsprechenden Blog schließen musste.
Übrigens: Den schönsten Rechtschreibfehler der Euro hat sich der Sender "Sky" geleistet. "Heimkehr mit gesengten Köpfen" lautete das Insert am nächsten Tag. "Pfah", dachte ich mir, "da wird ein interessantes Wortspiel kommen." Es kam nichts. Binnen weniger Minuten wurde im Insert aus dem g ein k.
Sommertheater lässt sich als Phänomen entgegengesetzter Pole beschreiben: einerseits als Gipfeltreffen von Branchenstars und Hochkultur-Adabeis -...weiter