• vom 09.07.2012, 15:39 Uhr

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Sprachschätze

Bevor Phrasen gedroschen wurden


Von Hilde Weiss

  • Manche Begriffe sind viel weniger lang, als man meinen würde, im Deutschen heimisch - zumindest nicht in der heutigen Bedeutung.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Von Aperitif und alles abblasen zu Finalisten und Phrasendreschern - begonnen hat alles ganz anders. Aufklären zum Beispiel, ein Begriff aus der Seemannssprache, wurde ursprünglich aufs Wetter bezogen. Zum Erklären, zur Aufklärung, wurde das Wort erst zwei

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Jahrhunderte später umgedeutet

und im 20. Jahrhundert zur

sexuellen Aufklärung (Erhellung).

Abblasen, das war ursprünglich ein militärischer Begriff, der auch auf Jagden angewendet wurde, wenn

ein Bläsersignal das Ende

ankündigte. Das ging jahrhundertelang gut, bevor im 20. Jahrhundert die Bedeutung absagen, abbrechen, absetzen, streichen daraus wurde. Zackig, auf Zack, das sind

Redensarten, die - aufgekommen erst im 20. Jahrhundert - ebenfalls von Soldaten stammen.

Unter Tablette, "Täfelchen", verstand man bis ins 20. Jahrhundert,

entlehnt über das Französische vom lateinischen Wort tabula für Brett, Tafel, hauptsächlich einen Block,

ein Heft, eine Tafel, eng verwandt mit dem Tablett, dem Tableau und der Tabelle. Und Aperitif, vom lateinischen Verb aperire für öffnen, war bereits seit dem 16. Jahrhundert ein medizinisches Fachwort für abführende Heilmittel. Die heutige Bedeutung, im 19. Jahrhundert in Frankreich entstanden, ist im Deutschen erst seit dem 20. Jahrhundert ein Begriff.

Atom, von den griechischen Wörtern átomos für unteilbar, "unzerschneidbar", und témnein für schneiden, zerteilen, spalten, dieser Begriff ist schon seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen heimisch, eng verwandt mit der Anatomie und der Dichotomie. Das Widerlegen der Wortbedeutung durch die Physik Ende des 19. Jahrhunderts konnte am alteingesessenen Ausdruck nichts verändern.

Das Büro, entlehnt im 17. Jahrhundert, wurde im Deutschen zunächst wie im Französischen Bureau geschrieben - bis ins 20. Jahrhundert. Der Begriff geht über die altfranzösischen Wörter bure und burel für grober Wollstoff, Decke auf das lateinische Wort burra für zottliges Gewand, Wolle zurück, da Schreibtische, insbesondere Rechentische, früher gern mit Stoff bezogen wurden. Vom Tuch ging die Bedeutung auf tuchbedeckte Tische über und auf Räume mit tuchbedeckten Tischen.

Phrase, entlehnt über das Lateinische vom griechischen Verb phrázein für mitteilen, aussprechen, aufzeigen, war bei der Entstehung im 16. Jahrhundert ein wertfreier Begriff. Die Abwertung erfolgte

dann zwei Jahrhunderte später

unter französischem Einfluss.

Das Wort fiel in Ungnade und

wurde im 20. Jahrhundert neu entlehnt, diesmal aus dem

Englischen.

Piloten, vom griechischen Wort pedón für Steuerruder, Ruderblatt, im Deutschen ursprünglich Piloto, Pillot, Pelotte, Pedot und Pedotta genannt, waren bis ins 20. Jahrhundert, bevor sie Luftschiffer wurden, Steuermänner, Lotsen, Schiffsführer. Und Finale, entlehnt über das Italienische aus dem Lateinischen (finis, Ende, Grenze, Schluss), bedeutete zunächst Schlussbuchstabe, Ende, Ende eines Musikstücks. Neu ab dem 20. Jahrhundert, unter englischem Einfluss, ist die Bedeutung Endrunde, Endspiel.



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Dokument erstellt am 2012-07-09 15:44:02


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