Ja, auch eine Glasbalustrade kann Schauplatz existenzieller Betrachtungen sein, wie mir unlängst ein Specht vorgeführt hat, ein prächtiger Buntspecht, um genau zu sein. Er saß, als ich nach Hause kam, auf dem Balkon, drückte sich gegen die neue Glasbalustrade, die die alte aus Holz ersetzte, schlug heftig mit den Flügeln und machte zwischendurch Pausen, in denen er ratlos in die Welt blickte. "Wieso", schien dieser Blick zu sagen, "kann ich auf einmal nicht mehr wegfliegen?"
Für mich war es natürlich offensichtlich, dass Kollege Specht ganz leicht wegfliegen hätte können, hätte er es in der Mitte des Balkons versucht. Da er aber offensichtlich die gläserne Balustrade nicht wahrnahm, verstand er die Welt nicht mehr. Er schlug mit den Flügeln, wie er es immer getan hatte - ohne Erfolg. Er hatte mein volles Mitgefühl. Geht es nicht auch menschlichen Wesen oft genug so, sagte ich zu mir, dass sie sich an unsichtbaren Balustraden abmühen, nicht von der Stelle kommen und keine Ahnung haben warum?
Also wollte ich ihm helfen, suchte ein paar Brotkrumen zusammen und legte sie in die Mitte des Balkons, an eine Stelle, von der er meines Erachtens gut starten können müsste. Motivation nennt man das im Management. Als ich das nächste Mal zum Balkon ging, war er verschwunden. Er hatte es geschafft. Fragt sich nur, wie man diese Specht-Therapie aufs Menschleben übertragen könnte.
Golf emanzipiert sich zunehmend von seinem Ruf, ein Hobby für Reiche zu sein. Manche Snobs mögen das als bedenkliche Entwicklung sehen...weiter