• vom 17.07.2012, 16:12 Uhr

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Update: 17.07.2012, 16:40 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Wenn Fußballer mutwillig ausschlagen


Von Robert Sedlaczek

  • Manche Schreibfehler in den Zeitungen bringen die Leser zum Schmunzeln. Gleichzeitig sind sie ein gefundenes Fressen für Sprachbeobachter.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Unlängst hat ORF-Online über die Disziplinlosigkeiten in der französischen Fußballnationalmannschaft berichtet. Diese gehen manchmal so weit, dass es zu einer Art Meuterei der Spieler gegenüber dem Trainer kommt. Das anschließende Ritual ist immer dasselbe: Die französischen Medien treiben die rebellierenden Spieler vor sich her, während der alte Trainer verabschiedet wird und die gesamte Nation hofft, dass sich ein neuer mehr Autorität verschaffen kann.

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Das kommentierte ein ORF-Online-Redakteur so: Die Spieler dürfen nun "nicht mehr über die Strenge schlagen".

Solche Fehler sind natürlich ein gefundenes Fressen für einen Sprachbeobachter, zeigen sie doch, dass bei manchen Phrasen das Verständnis für deren Herkunft verloren gegangen ist. Wer aber die ursprüngliche Bedeutung nicht kennt, der ist geneigt, einen Rechtschreibfehler zu begehen.

Mir gibt das Gelegenheit, über die Bedeutung der Wendung "über die Stränge schlagen" zu räsonieren. Das sprachliche Bild stammt aus alten Zeiten, gemeint sind mutwillige Pferde, die ausschlagen, das heißt mit den Füßen über das Geschirr, über die Zugstränge hinausfahren. Lutz Röhrich hat in seinem grandiosen "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" die frühesten Formen belegt, und zwar aus dem Ende des 16. Jahrhunderts: "über die Stränge treten". Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ist "über die Stränge ausschlagen" dokumentiert. Die heutigen Formen "über die Stränge schlagen" und "über die Stränge hauen" sind erst seit dem 19. Jahrhundert üblich.

Dass Pferde sich so verhalten, kann man heutzutage in Wien nur noch selten beobachten, eigentlich nur noch bei Fiakerpferden. Pferdefuhrwerke gibt es ja nicht mehr. Deshalb kennt kaum noch jemand die wörtliche Bedeutung. In unserer von Automobilen übervölkerten Stadt ist nur noch die übertragene Verwendung zu hören: die Grenze des Üblichen und Erlaubten auf übermütige und forsche Weise überschreiten.

Wobei es mir durchaus gefällt, wenn Fußballer mit Pferden verglichen werden. Es dürfte ja ein Kunststück sein, die hochgezüchteten Fußballtreter so zu zügeln, dass sie gemeinsam an einem Strang ziehen.

Am selben Tag habe ich dann auf der Sportseite der Zeitung "Österreich" einen nicht weniger bemerkenswerten Satz gefunden. Dort konnte man lesen, dass ein verhaltensauffälliger Stürmer von Austria Wien - er war bei dem früheren Trainer in Ungnade gefallen - nun wieder "die Sperrspitze" des Angriffs bilden soll.

Solch extravagante Schreibungen bringen mich ins Grübeln. Ich frage mich, ob da nicht eine tiefsinnige Doppelbödigkeit in den Text eingeflossen ist. Es kann ja sein, dass dieser Stürmer eine zweifache Aufgabe hat. Er soll als Verteidigungsmaßnahme schon in der gegnerischen Hälfte eine Art Sperre errichten, um die Gegner beim Aufbau ihres Spiels zu behindern. Im Angriff soll er dann die Spitze eines Speers verkörpern und möglichst viele Tore schießen. Ja, so wird es wohl gemeint sein.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-17 16:17:08
Letzte Änderung am 2012-07-17 16:40:44


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