
Inzwischen weiß sowieso schon jedes Kind, was sich in der Zeit vom 27. Juli bis zum 12. August in London ereignen wird: Es wird regnen. (Ist das überhaupt erlaubt? Oder verstößt das gegen das EU-Kartellrecht? Ist doch offensichtlich, dass sich die Meteorologen abgesprochen haben. Unter einem fairen Wetterbewerb versteh ich jedenfalls was anderes.) Aber warum sollte ich in einer Woche das Fernsehkastl eigentlich noch einschalten? Jetzt ist doch eh bereits klar, wie die Olympischen Spiele ausgehen werden. (Am Ende sind alle patschnass.) Wieso müssen die Wolkenflüsterer solche Spaßverderber sein? Na ja, damit die Blondinen noch genug Zeit haben, sich vorne am Fernseher Scheibenwischer montieren zu lassen. Sonst sehen sie ja alles verschwommen wie in der Waschstraße. ("Du, die Synchronschwimmerinnen sand aber ned sehr . . . synchron." - "I glaub, das is Feldhockey." - "Ah, deshalb sind die alle bewaffnet.") Wie heißt übrigens die Hauptstadt der Blondinen? - Blondon? Falsch. Ikea! (Zumindest ist das die Hauptstadt von Schweden.)
Das Meteorologen-Kartell hat also beschlossen, die Olympioniken nass zu machen. (He, nennt man die dann Olympio-Nixen?) Und wenn das Wetter mitspielt, verdient es mindestens einen Eintrag ins "Guinness Book of the most average records". Ins "Guinness-Buch der durchschnittlichsten Rekorde". Ein triefender, zum Auswringen nasser Himmel ist in England immerhin das vorhersehbarste Wetterphänomen. Okay, in der vorletzten Maiwoche haben ebenfalls alle professionellen Wetterfühligen prophezeit, es würde in der letzten Maiwoche bewölkt sein und auf jeder Wolke ein Manneken Pis stehen. Und auf die Briten runterbrüsseln. Geradezu eine Allegorie. Der Europaskepsis der Insulaner. Die können den inkontinenten Teil von Europa nämlich nicht leiden. Das Festland. (Für die Engländer sind die Europäer Ausländer.) Aufgrund dieser Wetteraussichten hab ich mir sogar extra einen neuen Knirps gekauft. (Nein, nicht das Original um 54,95 Euro. Das Generikum um 4,99 Euro.) Und wer war schuld, dass zwischen dem 23. und dem 29. Mai an der Themse kein einziger Tropfen vom Himmel gefallen ist? Die Möwen. Weil die nicht einmal dann schwitzen, wenn sie mitten im Flug von der unbarmherzigen Hitze ausgebrütet werden (obwohl sie ja längst geschlüpft sind). Und die siebentägige Dürreperiode war vermutlich der durstigste Humor seit Beginn der Witzaufzeichnungen. Trockener Humor, das ist, wenn man einen Witz erzählt und die Leute fangen nicht an zu lachen, sondern zu husten. Kennen Sie zum Beispiel den? Thomas Hampson singt "Am Brunnen vor dem Tore" von Schubert. Hm. Liederabendbesucher würden sich jetzt die Frösche aus dem Hals räuspern wie die zweite der Zehn Plagen. Und die Amphibien würden den Bariton bespringen, als wär’ er ein alter Ägypter. (Eine Mumie? Ein verwelkter Pharao? - Ziemlich makaber dieser Dörr-Witz.) Also, was ist das? Es ist grün, es quakt und Sänger haben es auf dem Kopf. (Aber was der Helmut Lotti früher getragen hat, war trotzdem ein Toupet. - Und außerdem war es nicht grün.) Oh, vielleicht ist das die Pointe! (Der Frosch auf dem Scheitel.) Ich lutsch lieber ein Zuckerl. Weil ich bin eine, die zum Husten in den Keller geht.
Je deutlicher sich die Welt in Richtung Wahnsinn dreht, desto öfter denken manche Menschen nach. Und zwar nicht nur in einschlägigen Zirkeln...weiter