• vom 23.07.2012, 17:27 Uhr

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Update: 23.07.2012, 18:17 Uhr
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Sprachschätze

Anfechtung mit scharfer Klinge


Von Hilde Weiss

  • Im Wortschatz setzt sich Neues nur langsam durch: Viel aus früheren Zeiten findet sich - als zum Beispiel Fechten noch weit verbreitet war.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Übers Ohr hauen, fintenreich, fuchtig, Sand in die Augen, ohne viel Aufhebens - alles Fechtersprache. Auch bloßstellen, sich eine Blöße geben, diese Redewendung (vom germanischen Adjektiv blauta für bloß) ist unter Fechtern aufgekommen, als Ausdruck für den ungeschützten Teil des Körpers, der dem Angriff des Gegners ausgesetzt ist.

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Viel Aufhebens machen, auch wenn es nicht viel Aufhebens wert ist, auch das stammt aus der Fechtersprache, bezogen auf ein altes Ritual, bei dem unter umständlichen Zeremonien und großen Worten die Waffen zu Kampfbeginn vom Boden aufgehoben wurden. Fintenreich, ursprünglich ebenfalls ein Fechtausdruck, geht über das italienische Wort finta für List, Trick auf das lateinische Verb fingere für ersinnen, vorgeben, "formen" (bilden) zurück, eng verwandt mit dem Fingieren und dem Fiktiven.

Jemand übers Ohr hauen, auch das kommt vom Fechten und bedeutete ursprünglich, jemand am Kopf, oberhalb der Ohren, zu treffen.

Hieb- und stichfest, das geht auf alte magische Rituale zurück, mit denen man sich gegen Angriffe (mit Hieb- oder Stichwaffen) unverwundbar machen wollte. In die Standardsprache ist der Ausdruck aber erst aus der Sprache der Fechter gelangt. Und jemand Sand in die Augen streuen, das bezieht sich auf den alten Fechttrick, den Gegner durch Beeinträchtigung der Sehkraft zu schwächen oder gleich ganz außer Gefecht zu setzen.

Ein Haudegen war ursprünglich eine Hiebwaffe. Und einem das Heft in die Hand spielen, das Heft ergreifen, das Heft in der Hand haben, in der Hand behalten, es nicht aus der Hand geben wollen, das bedeutete zuerst, das Heft der Waffe, vom germanischen Wort haftja für Griff, "Halter", fest im Griff zu haben, kampfbereit, damit man weniger Geübten, weniger Entschlossenen überlegen ist.

Spiegelfechten, das war zunächst ein Wort für Schau- und Scheinfechten, für das Vorspiegeln eines wirklichen, ernsten Kampfs (mittels Scheinbilds, wie bei einem Spiegel) - und erst später ein Wort für Übungsfechten vor dem Spiegel. Mensur, "das Maß", vom lateinischen Verb metiri für messen, war zuerst ein Begriff der Musik (Zeitmaß) und dann ein Begriff für den Abstand beim Fechten, eng verwandt mit der Dimension, "der Abmessung", und dem Immensen, "dem Unermesslichen".

Eine scharfe Klinge führen, diese Redensart gehört natürlich auch hierher, wobei Klinge von klingen kommt, vom Klang, den sie (auf Helmen, Rüstungen und anderen Gegenständen) erzeugt. Jemand über die Klinge springen lassen, bei dieser Redewendung ist allerdings kein Fechtkampf gemeint, sondern eine Hinrichtung, also das Richtschwert. Und was dabei über die Klinge "springt" - ursprünglich als eine Art makabrer Scherz gemeint - ist der Kopf.

Bleiben noch Anfechtung und Unanfechtbarkeit, vom germanischen Verb fehta für fechten, kämpfen und der indoeuropäischen Wurzel pek- für rupfen, raufen, zausen (ursprünglich Wolle oder Haare), eng verwandt mit dem Fight und dem Herumfuchteln, "dem Herumfechteln". Fuchtig, "fechtig".




Schlagwörter

Hilde Weiss, Linguistik, Sprache

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-23 17:32:04
Letzte Änderung am 2012-07-23 18:17:43


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