• vom 30.07.2012, 14:00 Uhr

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Von Peter Krobath



Die Stadtverwaltung von London hat jetzt ihren Bürgern mitgeteilt, dass sie während der Olympischen Spiele zu Hause bleiben sollen. Oder in den Urlaub fahren. Am besten aber gar nicht erst zur Arbeit kommen. Weil das geht sich nämlich alles eh nicht aus. Die zentralen U-Bahn-Linien der Stadt, die schon traditionellerweise verstopft sind wie nur was, werden noch verstopfter sein, so verstopft nämlich, dass das totale Chaos noch das günstigste Konzept sein wird, das die Verkehrsplaner auf ihren Tischen liegen haben. Deshalb mögen die Londoner doch bitte so freundlich sein und die Stadt für diese paar Tage den Touristen überlassen. Zumindest die Londoner, die sich das leisten können. Die anderen sollen selber schauen, wie sie weiterkommen. Weil die Stadt hat sich verrechnet. Leider. Das erinnert mich an den Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, der 1598 in großer Geste 55 Bürgerhäuser niederreißen ließ, um Platz für den Residenzplatz zu kriegen, ohne den ihm sein Dom viel zu klein erschien. Eh sehr gut gelungen, aber was die 55 Bürger damals davon hielten, frage nicht.

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Bissel gemault werden sie halt haben. So wie wir Wiener, wenn wir an der neuen Terminalerweiterung Skylink ankommen, dem bisher größten Bauvorhaben in der Geschichte des Flughafen Wien, wie es auf deren Homepage heißt, und uns nur noch denken: Wie bitte? In Vorarlberg stehen Supermärkte, die besser ausschauen als das hier! Und nicht nur einer. Wenn schon völlig überbezahlt, dann möchte ich das doch wenigstens auch sehen. Und überhaupt: Gescheit gemacht. Rolltreppen so eng wie der Platz, den Lionel Messi im Strafraum zwischen sich und dem Ball lässt. Also echt kein Vergnügen, wenn da Panik ausbricht. Aber irgendwer wird schon verdienen. Und irgendwer wird schon einen Orden kriegen. Nicht dass ich auch gern einen Orden hätte. Zu meiner Art von Anzügen passt das nicht. Ich wollte ja nicht einmal die Wehrdienst-erinnerungsmedaille behalten. Aber wer unbedingt einen Orden will, soll doch bitte einen kriegen, finde ich. Und zwar nicht nur die Bonzen und die Promis und die Berufspolitiker. Der Rest ist auch noch da. Nämlich wir. Allein für den Schmarren, den wir täglich still und leise runterschlucken, gebührt jedem von uns ein Orden. Antrag genügt. Begründung: Weil ich mir das alles gefallen lasse. Abzuholen bei der Post.

Artikel erschienen am 27. Juli 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 31




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-24 12:44:05
Letzte Änderung am 2012-07-26 16:50:44


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