
Unlängst hat Nina Weißensteiner in "Der Standard" die Politik der Bundesgrünen gelobt. Die Partei verstehe es, ihre Anliegen mit wechselnden Mehrheiten durchzubringen. Das sei eine eher unösterreichische Tugend: machen statt mauscheln.
Einige Leser haben mich gefragt: Darf man dieses Wort verwenden? Ist es antisemitisch? Das Wort geht zurück auf das Substantiv "Mauschel" - das war ein teilweise abwertender Begriff für den Handelsjuden. Das Wort ist erstmals im 17. Jahrhundert bezeugt. Wie sich unschwer erkennen lässt, ist "Mauschel" von "Mausche" abgeleitet, der westjiddischen Form des biblischen Namens Moses. Die ostjiddische lautet "Mojsche". Ebenfalls seit dem 17. Jahrhundert gibt es das Verbum "mauscheln" mit den Bedeutungen "wie ein Mauschel reden" und "wie ein jüdischer Händler Geschäfte machen".
Hans Peter Althaus, ein emeritierter Germanistikprofessor der Universität Trier, hat unter dem Titel "Mauscheln als Waffe" ein penibel recherchiertes Buch über dieses Wort verfasst. Das Werk ist leider vergriffen und nur noch antiquarisch im Internet erhältlich. Althaus führt aus, wie vielschichtig die Bedeutung ist und wie sich diese im Lauf der Zeit geändert hat.
"Mauscheln" war ein Kampfwort des Antisemitismus, daneben wurde es auch bei sprach- und literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen verwendet, ja sogar bei innerjüdischen Assimilationsdebatten. Heinrich Heine hat es in seinem Angriff auf Ludwig Börne aus dem Köcher geholt. Auf eine einfache Formel gebracht, wollte Heine in der relevanten Passage sagen: Börne habe keinen Grund gehabt, auf andere wegen eines Mangels in der Sprachbeherrschung herabzusehen, da er das "Frankfurter Mauscheln" - gemeint war die Frankfurter Handelssprache - nur unzureichend beherrsche und er auch den heimatlichen Dialekt nicht vollends habe abstreifen könne. Trotzdem haben die Brüder Grimm das "Frankfurter Mauscheln" in ihrem Wörterbuch unter Berufung auf Heine zitiert und mit der Bedeutung "Wie ein Schacherjude verfahren - im Handeln und in der Aussprache" versehen.
Wenn Anton Kuh vom "Sprachkolorit des Mauschelns" gesprochen hat und Fritz Mauthner vom "Mauscheldeutsch", das von Juden in Böhmen zu hören war, dann zeigt auch dies, dass Mauscheln früher als nicht gerade unsympathische Art des Sprechens angesehen wurde.
Ein Dokument des zionistischen Meinungskampfes stellt hingegen die 1916 in Wien erschienene "Mauschelpredigt eines Fanatikers" von Abraham Schwadron dar. Er kritisiert die Assimilationsbestrebungen seiner jüdischen Brüder, weil sie vom Ursprung wegführten.
Bleibt die Frage, ob wir heute das Wort "mauscheln" im Sinn von "auf undurchsichtige Weise begünstigende Vereinbarungen treffen" verwenden dürfen. Ich weiß, es ist kein guter Kolumnenschluss, aber ich habe in diesem Fall keine endgültige Meinung. Ich möchte auch nicht den Stab über jene brechen, die das Wort trotz seiner zum Teil dubiosen Vergangenheit gebrauchen.
Jeder, der Filme mag, kennt das Gesicht von Harrison Ford, Michelle Pfeiffer und vielen anderen mehr. Und er kennt die Stimmen der Schauspieler...weiter