• vom 30.07.2012, 16:44 Uhr

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Update: 30.07.2012, 17:26 Uhr
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Sprachschätze

Hölle, Hülle, Hülse, Halle, Halfter


Von Hilde Weiss

  • Warum heißt Sprengel Sprengel, Ghetto Ghetto und Hehl Hehl? Selten ist es Zufall, meist dachte man sich bei der Benennung durchaus etwas.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Was bedeutet Bresche, was Quartier und was ausbaldowern? Sehr konspirativ, das kommt vom lateinischen Verb conspirare für übereinstimmen, zusammenwirken, "zusammenatmen", eng verwandt mit dem Transpirieren, dem Inspirieren, dem Esprit, dem Sprit (dem Spiritus), den Spirituosen und den Aspiranten, einem Begriff, der auf die Vorstellung eines günstigen Winds (ursprünglich aus Sicht der Schifffahrt) zurückgehen dürfte.

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Gut ausbaldowert, das kommt über die Gaunersprache vom jiddischen Wort baldower für Auskundschafter, Anführer (krimineller Aktionen), eigentlich "der Betreffende", von dem die Rede ist, ohne einen Namen nennen zu müssen. Besser verständlich wird der Begriff, bedenkt man seine Herkunft vom hebräischen Wort ba’al-dawar, Herr des Worts (der Sache), der im Mittelalter als verhüllender Ausdruck für den Teufel diente. Und im Kontrahenten steckt, wie auch im Kontrakt und der Kontraktion, das lateinische Verb contrahere für zusammenziehen, vereinigen, vertraglich binden. Im Deutschen wurde aus der Bedeutung, sich auf einen Vertrag einigen, sich auf einen Kampf, ein Duell einigen.

In die Bresche springen, sich in die Bresche werfen, diese Redewendungen erklären sich aus den Löchern, die früher bei Belagerungen in Festungsmauern gebrochen wurden, Bresche genannt, "Breche" (entlehnt über das Französische aus dem Fränkischen). Und im Krater steckt das griechische Wort kratér für Mischgefäß.

Ghetto, ein Begriff aus dem 16.Jahrhundert, vom italienischen Wort getto für Wurf, Guss, war ursprünglich die Bezeichnung für das erste Judenviertel in Venedig, das sich auf dem Gelände einer Gießerei befand. Und Hölle, vom germanischen Wort haljo für Unterwelt, Totenwelt, "die Bergende", bezieht sich auf die germanische Todesgöttin Hel. Der Ursprung wird im germanischen Verb hela für bergen vermutet, eng verwandt mit dem Verhehlen, der Halle, dem Halfter, der Hülle und der Hülse.

Sprengel kommt vom Sprengen, vom Besprengen der Gläubigen mit Weihwasser und bezieht sich auf frühere Redewendungen wie "so weit der Sprengel (Weihwassersprengel) reicht", wobei sprengen von springen kommt, von der Vorstellung, Wasser oder anderes springen zu lassen.

Zeit, Quartier zu nehmen. Quartier? Das kommt über das Französische vom lateinischen Wort quartus für vierter Teil, "Vierteil", Viertel und erklärt sich aus der Bedeutungsentwicklung von Viertel zu Stadtviertel, Stadtteil, Teil des Militärlagers, wo Soldaten untergebracht sind, Unterkunft für alle.

Auch kein reiner Zufall: Marzipan, "die Schachtel", kommt über das italienische Wort marzapane, das ursprünglich ein Begriff für die Holzkästchen war, in denen man den Marzipanteig aufbewahrte, vom arabischen Begriff martaban für Porzellangefäß (für Gewürze, Arzneien) und dieser von der indischen Stadt Martaban, wo solche Behälter hergestellt wurden. Und die Vignette, "die Weinumrankte" (mit Weinrankenornament), geht über das Französische auf das lateinische Wort vinum für Wein zurück.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-30 16:50:05
Letzte Änderung am 2012-07-30 17:26:14


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