• vom 31.07.2012, 16:14 Uhr

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Update: 31.07.2012, 16:32 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Wer nicht viel im Kopf hat, dem ist der Kopf nicht im Weg


Von Robert Sedlaczek

  • Der Schwimmer Markus Rogan hat angeblich einen österreichischen Skinationalhelden gedemütigt - und die ganze Nation fühlt sich betroffen.

Ein Satz aus der Sendung "Frühstück bei mir" auf Ö3 ist zurzeit Gesprächsthema Nummer eins. "Rogan ätzt gegen Maier", titelte die "Krone", und der Schwimm-Star wird von allen kritisiert.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache.  Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Ich habe mir das Interview auf der Website von Ö3 angehört und mich dann entschlossen, für Rogan eine Lanze zu brechen - wobei ich mir darüber im Klaren bin, dass das vermutlich genauso unklug ist wie Rogans Aussagen über Maier.

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Die Gespräche der Claudia Stöckl leben ja davon, dass der Interviewte sein Innerstes ausbreitet. In diesem Fall hat man gespürt, dass Rogan deshalb so offenherzig war, weil er Claudia Stöckl gut kennt, mit ihr eine Reise in ein Land der Dritten Welt unternommen hat. Beide sammeln Geld für Sozialprojekte, Stöckl für solche in Indien, Rogan für solche in Äthiopien. In diesem Zusammenhang sagte er sinngemäß: Wer sich in einer Boutique einen Designerschuh um 200 oder 300 Euro kauft - der einen Monat später im ersten Regen kaputtgeht -, müsse sich sagen lassen, dass er mit diesem Geld ein Jahr lang die Schulkosten eines Kindes in der Dritten Welt finanzieren kann. Das klingt doch recht vernünftig.

Außerdem erzählte Rogan, dass er sich mit seiner Freundin, die in Los Angeles Marketingdirektorin eines großen Unternehmens ist, verloben wolle. Da sie Jüdin ist und ihr jüdisch-orthodoxer Vater darauf Wert lege, wolle er dem Judentum beitreten.

Rogan gab auch Details seiner Gesprächstherapie preis. Er habe ein zu großes Selbstvertrauen und gleichzeitig zu große Versagensängste. "Ich finde mich endlos geil, aber ich habe Angst, zu scheitern." - "Glaubst du, dass du zu kopflastig bist?" - "Ich glaube, es ist ein Riesenvorteil, wenn du nicht weniger denkst, sondern weniger denkfähig bist. Es gibt einen guten Grund, warum die richtig guten Sportler nicht viel im Kopf haben, weil da ist der Kopf nicht im Weg", sagte Rogan und stellte die Frage: "Warum hat der Armin (Assinger), der relativ schlau ist, nur vier Weltcup-Rennen gewonnen und der Hermann 50? Da ist weniger im Weg."

Ob Hermann Maier das nicht als Beleidigung empfinden könne? "Nein, überhaupt nicht. Er hat genau das richtige Gehirnschmalz, um sportlich erfolgreich zu sein. Ich glaube, wenn man zu viel hat, dann steht man sich sehr, sehr im Weg." - "Aber insofern warst du doch bis jetzt recht erfolgreich . .." - "Ja, aber wie gut hätte ich sein können ...Am Ende der Karriere fragt man sich, was hätte ich alles geschafft, wäre ich mir nicht selbst im Weg gestanden."

Ich erinnere mich an eine Episode rund um Hermann Maiers erstes Buch "Ich gehe meinen Weg". Wie in solchen Fällen üblich, hat es ein Sportjournalist verfasst. Aber als der Rennläufer Monate später in einem Interview mit der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" auf ein Detail seines Buches angesprochen wurde, bekannte er freimütig, dass er noch keine einzige Seite gelesen hatte. Wahrscheinlich war das wirklich seine Stärke: Er konnte sich auf das Wichtige konzentrieren.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 16:20:16
Letzte Änderung am 2012-07-31 16:32:24


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