• vom 02.08.2012, 16:29 Uhr

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Kunstsinnig

Liftfahrer sind sichtbarer


Von Claudia Aigner

  • Ist ein intelligenter Lift einer, der außer Betrieb ist? Und ist jemand, der keinen Sechser, sondern gleich einen Siebener würfeln will, genauso g’scheit?



Achtung! Der folgende Text ist für Leser mit einem IQ unter 120 nicht geeignet. Tschuldigung: mit einem IQ über 120. So, jetzt kann keiner behaupten, er wäre nicht gewarnt worden. Okay, nicht jeder kennt seinen persönlichen Intelligenzquotienten. Aber keine Angst, es gibt einen Intelligenzschnelltest. Wer also verunsichert ist, ob er überhaupt weiterlesen soll, versucht einfach, folgendes Rätsel zu lösen: Wie lässt es sich bewerkstelligen, dass man mit einem klassischen Würfel einen Siebener würfelt? Und wenn Sie das beantworten können, ohne vorher mit dem Anton Zeilinger zu telefonieren, dann ist das Niveau der vorliegenden Kolumne eindeutig zu niedrig für das, was auf der Spitze von Ihrem Rückenmark balanciert: für Ihr Hirn. Andererseits: Wer nimmt schon einen Warnhinweis ernst? Ich nicht. Als mir das allersicherste Verkehrsmittel nahegelegt hat, es nur zu benutzen, wenn ich nicht anders kann (weil es ungeachtet seiner vorbildlichen Unfallstatistik immer noch ziemlich ungesund ist), bin ich trotzdem eingestiegen. Obwohl also häufiger Gebrauch zu Bewegungsmangel führt. Und man ein erhöhtes Risiko hat, übergewichtig zu werden und irgendwann an einem plötzlichen Herzkopfstand zu sterben. Ähm, vom Fliegen wird man fett? Nein. Vom Liftfahren. (Aha, dasmeint der Slogan "Liftfahrer sind sichtbarer".)

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"Celebrate your ability to use the stairs" - das Kleingedruckte bei den Aufzügen in der Tate Modern in London hab ich jedenfalls nicht als Drohung aufgefasst. Doch weil mir dieser Lift offenbar unbedingt das Leben retten wollte, hat er sie wahrgemacht. Und mich durch penetrantes Nichtfahren aus der Kabine gemobbt. Oder ist das dieser britische Humor? Wenn ja: Was ist der Unterschied zu einem schlechten Karma? Hm. Hätten die Wiener Linien auch so viel Humor, würden sie uns nicht dauernd mit deprimierenden Durchsagen entmutigen, die tragische Bewegungsarmut der U-Bahn betreffend. ("Aufgrund einer Betriebsstörung blablabla." "Derzeit wird die U1 modernisiert. Wir bitten Sie, aufs Fahrrad oder den Gehsteig umzusteigen.") Sondern den desperaten Fahrgästen Hoffnung geben: "Österreich ist eines der österreichsten Länder der Welt. Genießen Sie Ihren Wohlstand und leisten Sie sich ein Taxi. Und überlassen Sie die U-Bahn denen, die keine andre Wahl haben."

Tja, wie macht man das Stiegensteigen wirklich wieder attraktiv? Das kriegen wahrscheinlich bloß noch die Grünen hin. Sofern es ihnen gelingt, ein Tempolimit für Fahrstühle durchzusetzen: 30 Kilometer pro - Woche.

Und? Wie kann man nun einen Siebener würfeln? Ganz einfach: gar nicht. Einen Achter, ja, den krieg ich hin. Ich schiele und lass den primitiven Zufallsgenerator über den Tisch kullern, bis mich acht Augen anglotzen (ein doppelter Vierer). Doch einen Siebener . . . He, gibt’s keinen quantenmechanischen Trick? Vermutlich. Aber ich hab mich nicht traut, den Prof. Zeilinger anzurufen, den "Mr. Beam". Vielleicht wenn man bei einem Sechser das eine Auge von der gegenüberliegenden Seite dazubeamt. Oder man wirft sowohl einen Vierer als auch einen Dreier. Gleichzeitig. Das macht sieben. Solang man nicht hinschaut. Denn dann legt sich die Realität womöglich darauf fest, dass man einen Fünfer gewürfelt hat.




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Kunstsinnig, Meinung, Glossen

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Dokument erstellt am 2012-08-02 16:35:08


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