• vom 07.08.2012, 15:58 Uhr

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Update: 07.08.2012, 16:19 Uhr
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Sedlaczek am Mittwoch

Von den Schwierigkeiten, einen Polizisten anzureden


Von Robert Sedlaczek

  • "Inspektor gibt’s kan!" Der berühmte Satz aus "Kottan ermittelt" hat viele verunsichert. Gibt es wirklich keinen Inspektor?

Unlängst habe ich bei Bastian Sick auf "Spiegel online" herumgestöbert. In der Rubrik "Post an den Zwiebelfisch" hat der Sprachkritiker seine Landsleute aufgefordert, sich darüber Gedanken zu machen, wie man einen Polizisten korrekt anredet. Auch Österreicher haben sich an der Umfrage beteiligt. Werner Lind aus Wien meinte, dass wir eine perfekte Lösung gefunden haben: "Wir sagen einfach ,Herr Inspektor‘ oder ,Frau Inspektor‘." Zwar wisse jeder, "dass es den Inspektor nicht mehr gibt", doch würden wir die Anrede trotzdem verwenden, um die Antwort "Inspektor gibt’s kan" zu provozieren. "So hat man alles, was man wollte: die Aufmerksamkeit des Polizeibeamten beziehungsweise der Polizeibeamtin - und den Spaß, wenn die erwartete Antwort dann wirklich gegeben wird."

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache.  Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Sein Buch "Wiener Wortgeschichten" wird am

Die Wortmeldung zeigt, wie sehr die Fernsehserie "Kottan ermittelt" manche in die Irre geführt hat.

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Oder wollte Herr Lind dem Sprachpfleger Bastian Sick einen Bären aufbinden?

"Inspektor gibt’s kan" hören wir gleich in der ersten Folge - und dann immer wieder als stehende Floskel. Um den Dialog zu verstehen, muss man wissen, dass es bei der Polizei "eingeteilte Beamte" gibt - zu ihnen gehören der "einfache" Inspektor, der Revierinspektor und der Gruppeninspektor. Bei den "dienstführenden Beamten" gibt es die Dienstgrade Gruppen-, Bezirks-, Abteilungs-, Kontroll- und Chefinspektor.

Kottan gehört zu den "leitenden Beamten", und diese tragen Dienstgrade wie die Militärs: Leutnant, Oberleutnant, Hauptmann, Major, Oberstleutnant, Oberst, Brigadier, Generalmajor und General. Erst in der dritten Folge von "Kottan ermittelt" wird die Bedeutung der Wendung erklärt: "Inspektor gibt’s kan - sag einfach Major zu mir!" Major Kottan, ein Polizeioffizier, will also nicht mit dem viel zu niedrigen Dienstgrad "Inspektor" angesprochen werden.

Wer im Straßenverkehr von der Polizei aufgehalten wird, hat es mit einem "eingeteilten" oder "dienstführenden Beamten" zu tun. So gesehen ist die Anrede "Herr Inspektor" nicht so schlecht - sie klingt wie eine laienhafte Kurzform der vollständigen Bezeichnung Revierinspektor, Gruppeninspektor. . . Außerdem hat sie sich eingebürgert. Wer "Herr Inspektor" zu einem Polizeibeamten sagt, wird also nie "Inspektor gibt’s kan" zu hören bekommen.

Alexander Soucek aus Salzburg hat dem Sprachexperten Sick eine andere Legende aufgetischt. Wenn die Polizeiuniform die Vermutung zulasse, dass es sich um eine höhere Charge handle, dann würden wir "Herr Oberinspektor" sagen.

Diese Anrede könnte zu Irritationen führen. Oberinspektor I. und II. Klasse war nach 1919 und nach 1945 bis zur Einführung der militärischen Bezeichnungen ein Offizierstitel. Mich erinnert "Oberinspektor" an den "Oberbombenwerfer" in dem Weltkriegsdrama "Die letzten Tage der Menschheit". Der Oberbombenwerfer heiße so, weil er "die Bomben obe wirft", meint der Feldwebel Sedlatschek im Gespräch mit dem deutschen Wachtmeister Wagenknecht.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-07 16:05:05
Letzte Änderung am 2012-08-07 16:19:22


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