• vom 09.08.2012, 16:47 Uhr

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Kunstsinnig

Macbeth ist ein Burger - Macbeth isst einen Burger


Von Claudia Aigner

  • Wofür er sich entschieden hat, interessiert jetzt sicher alle genauso brennend wie: Welches Ereignis sich heute vor 172 Jahren - dann eh nicht ereignet hat.



Woher stammt der Macbeth? a) Aus einem Stück von Shakespeare. b) Aus dem Sortiment von McDonald’s. c) Aus Schottland. d) Frag doch den Assinger. Der ist relativ schlau. -

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So, wer glaubt, die einzig korrekte Antwort wäre b, der ist . . . sicher ein guter Sportler. Denn dem ist sein Kopf nicht sonderlich im Weg. (Obwohl: Ist doch ein super Name für einen Burger.) Und wie lautet der erste Satz aus diesem Pamphlet eines anonymen französischen Revolutionärs, das den Titel trägt: "Evangelium des Bürgers Jesus, von royalistischen und aristokratischen Ideen gesäubert und auf die richtigen Prinzipien der Vernunft zurückgeführt"? (Jessasmariandl-andl-andl! Da ist ja schon der Titel so blasphemisch, dass sich der Jesus im Grab umdreht.) Natürlich ist das eine Fangfrage. Ein erster Satz wurde nie geschrieben. (Okay, dann: Wie lautet der zweite Satz?) Von dem Buch hat nämlich nie mehr existiert als sein Titel. Der steht mit 50 weiteren Phantasiebuchtiteln in einem Auktionskatalog, der im Juli 1840 als Köder ausgeworfen worden ist. Eine Falle also. (Um einen Bibliophilenring auszuheben?) Der Katalog, der war das literarische Werk. Und heute, am 10. August, vor genau 172 Jahren, hat die Versteigerung der kompletten imaginären Bibliothek aus dem Nachlass des Grafen Fortsas . . . dann eh nicht stattgefunden. Offenbar der kranke Plan eines sadistischen Bibliopathen, der zuerst alle Bücherclowns, nein: -narren Europas aufgegeilt hat, um nachher mit ihnen per SMS Schluss zu machen (und sich an ihren gebrochenen Herzen zu weiden). Gut, eigentlich per Zeitungsinserat. Die Sammlung sei bereits vergeben. (Ätsch!)

Das bürgerliche Evangelium mag ja pure Fiktion sein, wo man also die Adelstitel abgeschafft und dieses monarchistische Taferl auf dem Kreuz ("INRI" - Jesus von Nazareth, König der Juden) bestimmt ausgetauscht hätte gegen: "Bürger Jesus". Und der Erzengel Gabriel grüßt bei der Verkündigung womöglich nicht mit einem "Ave Maria", sondern mit: "Freundschaft!" Dafür ist mir der von allen Schweinereien gesäuberte Burger begegnet. Wie hat der bloß geheißen? Zumindest war er unschuldig wie ein Cheesus-Burger. Der Speck hat gefehlt. Der mir hoch und heilig versprochen worden war. Doch vielleicht gibt es einen guten Grund, warum die richtig guten Gourmets nicht viel im Mund haben. Weil da ist das Essen nicht im Weg. Ach, ich hab einfach nicht stark genug an den Speck geglaubt. Drum hat er sich mir nicht geoffenbart. He, ich sollte meinen weißen Springer auf ebay anbieten! Das Schachpferdl ist in Wahrheit ja ein Einhorn. Das erkennen freilich nur die Profifußballer. Und eventuell der Hermann Maier.

Schach, das ist übrigens der verzweifelte Versuch zweier Intellektueller, auf einem Schachbrett die Schlacht Simmering gegen Kapfenberg nachzustellen. Aber mit viel zu vielen Feldspielern. (Und viel zu wenigen Bällen.) Ich seh das Horn ja leider nicht. Ich war in der Schule halt eine totale Niete in Turnen. Doch das Echtheitszertifikat, das der Meistbietende gratis dazukriegt, beweist eindeutig, dass der Springer aus dem Horn eines Hippopotamus geschnitzt worden ist. - Aber ein Nilpferd hat doch gar kein Horn. - Eben. (Und wenn das da kein Rufzeichen ist: ".", dann . . . heiß ich Markus Rogan.)




Schlagwörter

Kunstsinnig, Meinung, Glossen, Rogan

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-09 16:54:30


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