• vom 10.08.2012, 13:31 Uhr

Glossen

Update: 14.08.2012, 11:52 Uhr
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Glossenhauer

Olympia ade


Von Severin Groebner

  • Wenn man nachts nach Hause geht, denkt man gern über Blödsinn nach. Zum Beispiel über Sport.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.

Es ist Nacht und man geht über die Mariahilfer Straße, weil man gerade bei Freunden Olympia geschaut hat. Und während man sich fragt, warum die österreichischen Olympia-Teilnehmer eigentlich nichts reißen, blickt man betrübt zu Boden. Und da entdeckt man Dinge, die tagsüber unsichtbar sind. Ja, tagsüber ist der Boden nicht zu sehen, weil auf ihm tausende Shopping-Süchtige, Pubertierende mit lauten Handys, aus denen schlechte Musik in noch schlechterer Tonqualität dringt, Schanigärten und die letzten verbliebenen Punks Platz genommen haben. Tagsüber ist man mit Ausweichen und Wegrennen beschäftigt.

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Nachts jedoch ist die Mariahilfer Straße etwas ganz Besonderes: die Straße der Sieger. (Natürlich nur die Innere Mariahilfer Straße. Auf der Äußeren gibt’s keine Sieger.)

Im Boden der Inneren aber sind siegreiche Hand- und Fußabdrücke formschön in Beton festgehalten. Sie sind mit metallenen Rahmen umschlossen, die kupfern glitzern und dem geneigten Leser (im Wortsinn) verraten, wer sich hier die Zehen und Finger schmutzig gemacht hat - und warum. Hier finden sich endlich die Sieger, die wir zurzeit vermissen. Der Weltrekordhalter im Stepptanz 1995 zum Beispiel. Sowie diverse Ski-, Rodel- und Snowboard-Weltmeister. Aber auch Olympia-Sieger - der Winterspiele.

Irgendwie ist der Sommer keine Zeit für uns. Und jetzt kommt auch noch der Klimawandel dazu...

Also ehrlich, man macht sich Sorgen. Ja! Man sagt sich, wenn nicht bald 300-Meter-Deppert-Schauen, Grundlos-Umananda-Fäun und illegale Parteienspenden-Annahme olympische Disziplinen werden, dann könnte es mit olympischem Gold für Österreich eng werden in Zukunft. Und das wird vor allem hart für die so Österreich-bewusste FPÖ.

Hat doch diese Partei 1993 (heute bekannt als FPK oder BZÖ oder FPÖ) unter Jörg Haider (heute bekannt als "Phaeton") ein Volksbegehren initiiert, das den Tarnnamen "Österreich zuerst" trug. Ein Volksbegehren, das Leuten wie Herrn und Frau Dadic das Gefühl geben sollte, hier unerwünscht zu sein. Trotzdem haben aber die beiden im selben Jahr eine Tochter bekommen. Ivona. Und die war dieses Jahr eine der wenigen Hoffnungen, dass Österreich bei Olympia doch irgendwo "zuerst" hätte sein können.

Die FPÖ nimmt das freilich nicht zur Kenntnis. Dazu braucht es wahrscheinlich erst Ümüt Üzgür und Ngongo Umbala, die im Jahr 2032 die olympische Goldmedaille im Synchron-Capoeira-Doppel für Österreich gewinnen (gegen China). Aber spätestens dann, findet man, sollte Herr Kickl als reuige Wiedergutmachung alle Plakate mit den von ihm verfassten Sprüchen mit Gabel und Messer aufessen. Und zwar ganz. Damit morgen schönes Wetter ist.

Denn so macht man das "bei uns daham".

Oder es geht uns irgendwann wie Kamerun. Dessen olympisches Team hat nämlich gerade acht Sportler verloren. Die sind jetzt irgendwo. Untergetaucht. In London.

Denn da haben sie es immer noch besser als zu Hause.

Und vielleicht sogar besser als auf der Mariahilfer Straße.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-10 13:38:08
Letzte Änderung am 2012-08-14 11:52:28


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