• vom 13.08.2012, 17:08 Uhr

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Sprachschätze

Allerdings auf solider Grundlage


Von Hilde Weiss

  • Gut beschlagen, aber mit welchem Beschlag? Was ist im Schwange? Durch welche Bank? Allenthalben? Redensarten spiegeln meist die Vergangenheit.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Der Bezugsrahmen ändert sich im Lauf der Zeit, der Wortschatz bleibt gleich. So kommt beschlagen sein zum Beispiel vom Beschlag und darunter verstand man zuerst ein Metallstück, das auf anderen Materialien, meist auf Holz, durch Schlagen befestigt wurde. Das erweiterte sich zur Bedeutung, ein Pferd zu beschlagen und das dazu, dass ein gut beschlagenes Pferd bestens auf alles vorbereitet ist, zu allem bereit. Ohne Hals- und Beinbruch? Hier hat sich ein Missverständnis eingeschlichen, denn gemeint war damit ursprünglich der hebräische Wunsch hazlóche un bróche, Glück (Gelingen) und Segen. Zur Entwicklung trug bei, dass man offen ausgesprochene Wünsche früher mied, in der Annahme, missgünstige Geister würden sie vereiteln und Unglück über einen bringen.

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Also doch besser nicht Fraktur reden, sagte sich da mancher. Das kommt vom lateinischen Wort fractura für Bruch und bezieht sich auf die Frakturschrift, "die Bruchschrift", die im Gegensatz zur lateinischen Schrift kantig ist, eckig, und vorwiegend für deutsche Texte verwendet wurde.

Fraktur reden, diese Redensart nahm daher die Bedeutung an, mit jemand deutsch (nicht lateinisch oder französisch) zu reden, klar, deutlich, unmissverständlich, allgemein verständlich, wenn auch vielleicht ein bisschen grob.

Durch die Bank, diese Redewendung bezog sich ursprünglich darauf, dass alle auf einer Bank, alle in einer Bankreihe, gleich zu behandeln sind, ohne Vorrechte. Da musste sich mancher bescheiden. Sich bescheiden? Das bedeutete ursprünglich, Bescheid bekommen und sich belehren lassen, zur Einsicht bringen, falls nötig mittels Bescheid, "Entscheid", um dann, nach der Trennung, der Scheidung von den alten Ansichten, Bescheid zu wissen und bescheidener zu sein. Prüde, von der französischen Fügung prude femme für ehrbare Frau, bedeutete ursprünglich ehrenhaft, tüchtig, beeinflusst vom französischen Adjektiv prudent für vorsichtig, klug, umsichtig.

Allenthalben, "allerseiten",

ursprünglich alahalba, besteht aus den althochdeutschen Wörtern ala für all, ganz und halba für Seite. Meinethalben, "von meiner Seite aus". Allerdings, zusammengezogen aus der mittelhochdeutschen Redensart aller dinge, bedeutete ursprünglich gänzlich, völlig.

Da ist doch etwas im Schwang, "im Schwung". Das kommt vom germanischen Wort swangwi für Schwung, eng verwandt mit dem Schwank, "dem Schwungvollen", ursprünglich ein Wort für Schwung, Hieb, Wurf, Streich.

Man wird hoffentlich glimpflich davonkommen. Falls, dann bekommt man es mit dem althochdeutschen Wort gilimphlih für angemessen, gebührend zu tun. Kein Grund zur Verunglimpfung (vom alten Wort Unglimpf für Beleidigung,

"Unangemessenheit").

Man könnte sich vielmehr erkenntlich zeigen, "erkennbar", also seine Anerkennung, seinen Dank zu erkennen geben. Aber man kann natürlich auch Luftschlösser bauen, von der früheren Redewendung, ein Schloss in die Luft zu bauen, ursprünglich, in mittelhochdeutscher Zeit, "uf den regenbogen buwen".




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Hilde Weiss, Sprache, Glossen

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Dokument erstellt am 2012-08-13 17:14:03


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