• vom 23.08.2012, 04:00 Uhr

Glossen

  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Übrigens

Erstens ist der Mensch kein Tintenfisch


Von Peter Krobath



Ein führender Vertreter des Tratsch- und Klatschjournalismus, ein Mensch also, der dermaßen leicht und luftig durch die allerbesten Kreise der Gesellschaft schwebt wie ansonsten nur der legendäre Hochstapler Felix Krull, war von einem deutschen Lebemann und Großindustriellen zu einem Wochenendbesuch auf dessen griechischer Urlaubsinsel eingeladen worden. Einige Tage vor der Abreise rief der Chauffeur des Gastgebers an. Wann er das Gepäck abholen dürfe? Weil in gehobenen Kreisen pflegt man so zu reisen: Das Gepäck fährt voraus, der Gast kommt hinterher und wenn es ihm, am Urlaubsort angekommen, nach einer Badehose oder einem Smokinghemd gelüstet, findet er beides frisch gebügelt und sorgsam aufbereitet bereits in der Schrankwand seines Gästezimmers vor.

Werbung

Klingt logisch und gottgefällig, hat aber leider nur recht wenig mit dem normalen Leben zu tun. Zumindest mit meinem normalen Leben. Koffer und Taschen sind das Fegefeuer des Fernreisenden, finde ich. Erstens ist der Mensch kein Tintenfisch. Mit mehr als zwei Gepäcksstücken krieg ich allein schon anatomisch ein Problem. Zweitens kann nicht jeder ein Gewichtheber sein. Wer sich einmal an einer gut gefüllten Tasche das Kreuz verrenkt hat, lernt diese Teile zu hassen wie Mücken im August. Drittens lieben Koffer das heimliche Verschwinden. Tauchen irgendwo ab, um eigene Wege zu gehen. Kommen ab und zu wieder. Aber bei weitem nicht immer vor Urlaubsende. Was wiederum gut sein kann. Weil es zur Erkenntnis führt. Nach Nervenzusammenbrüchen, Tränen, Zorn und lautstark geführten Telefonaten. Also letztendlich.

Die schönste Auslandswoche meines Lebens habe ich in Seoul, der Hauptstadt von Südkorea, verbracht. Mein sorgsam zusammengestelltes Reisegepäck war irgendwo unterwegs verloren gegangen und bis zur Abreise nicht mehr aufgetaucht. Ich hatte, abgesehen von dem, was ich am Leibe trug, nur das dabei, was das Handgepäck für Notfälle hergab: ein Paar Socken, ein T-Shirt, eine Unterhose. War zwar knapp, hat aber völlig gereicht für eine Woche. Vor allem weil die hoteleigene Wäscherei voll auf Zack war. So gut ist es meinen Socken noch nie gegangen. Und ich dachte mir hinterher: Reisen hat mit Verzicht zu tun. Wer braucht schon den ganzen Schmarren, den er da mit sich in den Urlaub schleppt? Ein halber Koffer ist das ganze Vergnügen. Solche Merksätze stehen in meinem Urlaubsbuch. Und ich halte mich daran. Hilft freilich auch nicht weiter. Weil Frau und Tochter andere Philosophen zu Rate ziehen. Jetzt reise ich selbst zwar mit wenig Gepäck. Dafür aber schleppe ich deren Koffer.

Artikel erschienen am 17. August 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 31




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-16 15:59:13
Letzte Änderung am 2012-08-16 16:20:54


Beliebte Inhalte



  • Kann man bei einem Burnout manchmal nur noch den Kammerjäger holen, weil dieses Krabbeln und Kriechen in der Wohnung einfach unhygienisch ist?
  • weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Das Champions-League-Endspiel wirft seine Schatten voraus. Deutsche Medien werben mit peinlichen Slogans um Zuseher, Kommentatoren feilen an Pointen.
  • weiter

- - - Golf emanzipiert sich zunehmend von seinem Ruf, ein Hobby für Reiche zu sein. Manche Snobs mögen das als bedenkliche Entwicklung sehen...weiter

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Österreich hat es gut! Wer es nicht glaubt, möge den Vizekanzler fragen oder in die Zeitung schauen.
  • weiter

Was für ein Vorschlag! Da überlegen Kraftfahrzeugversicherer doch allen Ernstes, mittels Elektrochip das Fahrverhalten der Autofahrer aufzuzeichnen...weiter

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".
  • Hier handelt es sich um zwei Begriffe mit leicht divergierenden Bedeutungen, wobei Shoah immer häufiger verwendet wird.
  • weiter

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er am 6. und 7. Juni im Kabarett Niedermair zu sehen.
  • Österreich hat es gut! Wer es nicht glaubt, möge den Vizekanzler fragen oder in die Zeitung schauen.
  • weiter



Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. 23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird. Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Werbung