• vom 17.08.2012, 17:30 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Frank Stronach gründet eine neue Partei. Das ist schon eine sehr gute Idee. Aber es geht noch besser.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair. Severin Groebner ist Kabarettist und Mitbegründer der letzten Wiener Lesebühne. Sein neues Programm "Der Abendgang des Unterlands" spielt er von 5. bis 7. Oktober im Kabarett Niedermair.

Nicht mehr lang und auch andere österreichische Damen und Herren von Welt werden sich plötzlich politisiert von ihren Fauteuils erheben, die Faust gen Himmel ballen und empört, aber doch leicht verkatert, ausrufen: "So geht es nicht weiter! Ich werde . . ."; und dann werden sie in ihren Fernsehsessel zurücksinken und die aufkommende Übelkeit bekämpfen.

Und dennoch werden es genau diese mutigen Menschen sein, die der Demokratie in unserem Land einen neuen Schwung verleihen.


Franz "des is ka woama Hansl" Wondratschek zum Beispiel, vorübergehend beschäftigungslos, 43, wohnhaft in Wien 15, ist einer von diesen unerschrockenen Pionieren. Seine "Partei für Unterleiberln, Aluweckerln und Eierschaukeln am Trottoir" möchte den Bürger, der hier "Oida" genannt wird, genau dort abholen, wo sie ihn vermutet: am Würstelstand in der Vollfettn. "Weil des ja logisch is: Da samma nämlich olle gleich!", umreißt Wondratschek sein politisches Credo.

Ein konträres Konzept verfolgen dagegen Emilie-Luise Landskron (geborene von Wachtelschlag) und ihre frisch aus der Taufe gehobene "Partei für Hundehaltung, Tischmanieren sowie ein Minimum an Respekt gegenüber Menschen, die extrem laut fernsehen". Sie kämpft für Werte, die unserer Gesellschaft drohen verloren zu gehen. Moralische Maßstäbe, die seit Jahrhunderten herübergerettet wurden, um uns auch noch heute das Zusammenleben einfacher zu gestalten. Zum Beispiel: Bigotterie, häusliche Gewalt, Feuchtigkeitscreme und das verbriefte Recht, den eigenen Geländewagen sowohl auf dem Fahrradweg als auch auf dem Behinderten-Parkplatz abzustellen.

Einen ganz, ganz anderen Weg möchte dagegen Xaver-Maria "Burschi" Kalkbrenner eingeschlagen wissen. Er setzt sich schon seit Jahren für "bewusstes Leben" ein, ohne auch nur einmal darüber nachgedacht zu haben. Seine "Bewegung des Wesens, Wissens und Wankens" hat sich klare Ziele gesetzt: "Wir glauben, dass wir eine Gesellschaft brauchen, in der es möglich ist, seine eigenen Energiepunkte durch Kraftsteine zu markieren, um so das harmonische Gleichgewicht des Kosmos mit der eigenen, unsterblichen, ausgependelten Seele aromatisch zu stabilisieren. Deswegen haben wir auch dieses kinesiologische Raumspray entwickelt. Und selbstverständlich soll jeder, der ungefragt unsere Vorgärten betritt, erschossen werden dürfen."

Politologen räumen all diesen neuen Parteien und Wahlplattformen gute Chancen ein, bei der nächsten Nationalratswahl den Sprung ins Parlament zu schaffen. Auf der Straße angesprochen, wem er bei dieser Auswahl denn seine Stimme geben würde, sagt Jungwähler Klaus Kevin Damic, man könne ihn ehschowissen, er bräuchte mal einen Job, und wenn man nochmal so blöd frage, könne er einem auch gern das Nasenbein ins Großhirn transportieren. Ohne Probleme. Und ob man ihn jetzt habe.

Und allein diese hochemotionale Anteilnahme der Bevölkerung ist mit Sicherheit ein gutes Zeichen für einen demokratischen Neuanfang.




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Dokument erstellt am 2012-08-17 17:35:11



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